Nebenklage-Plädoyer Anwalt geht von früherer NSU-Gründung aus

Schon zwei Jahre vor ihrem Abtauchen sollen sich Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos zu einem Terror-Trio zusammengeschlossen haben. Diese Theorie vertritt Nebenklage-Anwalt Peer Stolle nun im NSU-Prozess.

Anwalt Mathias Grasel (vorne, von rechts nach links), die Angeklagte Beate Zschäpe, die Anwälte Wolfgang Stahl, Wolfgang Heer, Anja Sturm und der Angeklagte Ralf Wohlleben im Oberlandesgericht München
DPA

Anwalt Mathias Grasel (vorne, von rechts nach links), die Angeklagte Beate Zschäpe, die Anwälte Wolfgang Stahl, Wolfgang Heer, Anja Sturm und der Angeklagte Ralf Wohlleben im Oberlandesgericht München


Im NSU-Prozess hat die Nebenklage ihre Plädoyers fortgesetzt. Anwalt Peer Stolle zeigte sich überzeugt, dass der "Nationalsozialistische Untergrund" nicht erst nach dem Abtauchen von Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos gegründet worden ist.

Tatsächlich hätten sich die drei Neonazis schon zwei Jahre vorher als Terror-Trio zusammengefunden, sagte Stolle vor dem Oberlandesgericht München. Er vertritt einen Sohn von Mehmet Kubasik, der anders als die Witwe und Tochter des ermordeten Kioskbesitzers nicht öffentlich auftreten will.

Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos waren im Januar 1998 untergetaucht. In den folgenden fast 13 Jahren reisten die Männer laut Anklage durch Deutschland, ermordeten zehn Menschen und verübten zwei Sprengstoffanschläge. Neun ihrer Mordopfer waren türkisch- oder griechischstämmige Gewerbetreibende. Laut Bundesanwaltschaft hatten sich Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt mit ihrem Abtauchen entschlossen, aus rassistischen Motiven Verbrechen zu verüben.

Dieser Entschluss sei aber schon zwei Jahre vorher gefallen, sagte Anwalt Stolle. Das NSU-Trio sei dabei auch nicht allein gewesen. Zusammen mit anderen hätten sie Sprengstoff beschafft und mit Bombenattrappen und Briefbomben Angst und Schrecken verbreitet. Ihre Aktionen seien immer weiter eskaliert. Der nächste logische Schritt sei ein echter Sprengstoffanschlag gewesen, den sie dann nach dem Abtauchen verübt hätten. Andere Mitglieder der Gruppe hätten nicht abtauchen müssen, weil die Polizei nicht nach ihnen gesucht habe.

Hintergrund für das Entstehen des NSU war nach Überzeugung des Anwalts die gesellschaftliche Situation nach dem Ende der DDR. Anfang der 1990er Jahre habe es im Osten keine Vorbilder und keine akzeptierten staatlichen Stellen mehr gegeben. Stattdessen habe sich eine rechtsradikale Jugendszene entwickelt.

Die Verhandlung endete vorzeitig am frühen Nachmittag, da der seit September inhaftierte Mitangeklagte André E. über Migräne klagte. Das Gericht ließ ihn von einem Arzt untersuchen, der E. für den Rest des Tages für nicht verhandlungsfähig erklärte.

bbr/dpa



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