NSU-Prozess: ARD meldet Panne bei Vergabe der Presseplätze

Neuer Wirbel wegen der Vergabe der Presseplätze im NSU-Prozess: Laut ARD soll ein freier Mitarbeiter gelost worden sein, obwohl er seine Bewerbung zuvor schriftlich zurückgezogen hatte. Ein anderer Journalist legte Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein.

Hamburg - Im Streit wegen der Vergabe der Presseplätze beim NSU-Prozess gibt es neue Vorwürfe. Laut der ARD-"Tagesschau" kam es bei der Vergabe zu mehreren Fehlern. So sei die Bewerbung des MDR-Hörfunks versehentlich im Korb für die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender gelandet. Zudem sei in diesem Topf das Los eines freien WDR-Mitarbeiters gewesen, der sich irrtürmlich beworben hatte, weil er nicht wusste, dass die ARD als Pool an den Start gehen wollte. Als er dies erfuhr, habe er seinen Antrag am 22. April schriftlich zurückgezogen, doch seine Bewerbung sei im Rennen geblieben - und auch gezogen worden.

Das Oberlandesgericht München wollte dies auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa nicht bestätigen. "Wir überprüfen es noch", sagte OLG-Sprecherin Andrea Titz. Wahrscheinlich werde sich das Gericht nicht vor Donnerstag äußern können. In der "Tagesschau" hieß es, das Gericht habe die Fehler eingeräumt. Der WDR kündigte an, den betroffenen Platz zur Verfügung zu stellen. Die juristischen Konsequenzen sind noch unklar.

Unabhängig von diesem Fall legte der Berliner Journalist Martin Lejeune Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Er hatte im ersten Anmeldungsverfahren einen Platz bekommen und war nun bei der Verlosung leer ausgegangen.

Der Prozessbeginn war ursprünglich für Mitte April vorgesehen, wurde aber wegen der erfolgreichen Klage der türkischen Zeitung "Sabah" verschoben. Die Hauptverhandlung gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer des NSU soll nun am Montag vor dem Oberlandesgericht München beginnen.

Die Nebenklage-Vertreterin Angelika Lex fürchtet bereits eine erneute Verschiebung. Es sei "sehr bedauerlich, dass wir wieder Unsicherheit haben, ob das Verfahren tatsächlich am nächsten Montag beginnen kann", sagte sie dem Bayerischen Rundfunk.

Bei der Vergabe der 50 Presseplätze waren auch mehrere große Zeitungen leer ausgegangen. So erhielten unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die "Welt", die "Zeit" und die "taz" keinen sicheren Platz.

Während die "Welt"-Gruppe und die "Zeit" ankündigten, vorerst auf eine Klage verzichten, prüfen andere Medien noch ihr Vorgehen.

Einige der betroffenen Redaktionen können unter Umständen trotzdem aus dem Gerichtssaal berichten, denn tauschen ist erlaubt. Die Nachrichtenagentur dpa etwa stellt einen der ihr zugelosten Plätze den Nachrichtenagenturen Agence France-Presse (AFP) und Thomson Reuters für eine gemeinsame Poolberichterstattung zur Verfügung. Die Redaktion der Frauenzeitschrift "Brigitte" will ihren Platz mit dem Magazin "Stern" teilen. Beide gehören zum Hamburger Verlag Gruner + Jahr. Die Zeitungsgruppe "Straubinger Tagblatt / Landshuter Zeitung" will ihren Platz an die Nachrichtenagentur AP abtreten.

hut/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
Mehrleser 30.04.2013
Es reicht! Mein Verständnis für "andere Medien" geht gegen Null, es ist höchste Zeit, diese Posse zu beenden. Deutschland ist ein Rechtsstaat - auch wenn da einige Online-Soziopathen verächtlich johlen mögen - und keine Redaktionsstube. Insgesamt geht mir die zunehmende Selbstreferenz der "Medien" auf den Wecker. Nicht mehr Ereignisse und Nachrichten stehen im Vordergrund, keine recherchierten Informationen, sondern von Praktikanten schnell zusammenkopierte Artikel über Berichte anderer "Medien". Ein sich selbst mit Content versorgender Kreislauf. Aber was rege ich mich auf, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul!
2.
Esteban_Escobar_7 30.04.2013
Im Daschner-Prozess gab die Justiz zu vertehen dass jedes noch so grosse Scheusal (damals es Magnus G.) Anspruch auf Schutz vor staatlicher Willkür hat. Wenn nun eine Angeklagte bereits seit 18 Monaten ohne Verfahren festgehalten wird ist dies eines Rechtsstaates unwürdig, und dass der Prozess noch weiter verzögert wird, nur wird um mediale Befindlichkeiten zu befriedigen ist ein Skandal. Macht doch bitte endlich der Frau Z. den Prozess! Es geht zuallererst um sie, so abscheulich es auch sein mag was man ihr zur Last legt.
3. Die spinnen die Medien ...
elizar 30.04.2013
Hallo geht´s noch? Auch wenn es dem Selbstbild der Medien nicht genügt: Es geht nicht um euch. Es geht um die Täter und das Recht gesprochen wird. Auch um die Opfer selbstverständlich. Können die Medien jetzt endlich aufhören sich selbst als Opfer zu stilisieren? Ihr seid peinlich in eurer Gier nach Aufmerksamkeit und Auflagenzahlen!
4. Aus wessen Topf ich ess
lordas 30.04.2013
Ich muss den ersten Kommentar zustimmen. Unsere selbstproklamierte 4. Macht im Staat scheint in letzter Zeit mit aller Gewalt den Bogen in der Bevölkerung überspannen zu wollen. Erst dieses ständige selbstgefällige und anmaßende Geweine um das Leistungsschutzrecht, nun dieses Gejaule um die angeblich gemeine Behandlung durch das Gericht. Da sind sich gewisse Medienvertreter mittlerweile sogar nicht zu Schade, sich in der Platitüde zu versteigen das Los!verfahren wäre unfair! gewesen. Diese offensichtliche Troll Aktion seitens der Tagesschau treibt es nun auf den Höhepunkt. Nur weil die "großen""renomierten" Medien den gleichen Bedingungen unterlagen wie Regionalzeitungen, wird nun diese Empörungsmaschine betrieben. Hier geht es schlicht und einfach darum, dass man mit aller Gewalt seine Macht demonstrieren möchte. Ein sehr bedenkliches Selbstverständnis unserer 4. Macht im Staate.
5.
DJ Doena 30.04.2013
Das Los hat entschieden - Die neue Platzverteilung im NSU-Prozess | Kommentar | Deutschlandfunk (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/2090856/)
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