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Aussage im NSU-Prozess: Zschäpe berichtet über Schläge von Böhnhardt

Angeklagte Beate Zschäpe Zur Großansicht
DPA

Angeklagte Beate Zschäpe

Im NSU-Prozess hat Beate Zschäpe erneut Fragen des Gerichts beantwortet - und von Schlägen ihres mutmaßlichen Komplizen Uwe Böhnhardt berichtet. Auch über mutmaßliche Helfer äußerte sie sich.

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe ist nach eigenen Angaben mehrfach von ihrem mutmaßlichen NSU-Komplizen Uwe Böhnhardt geschlagen worden. In einer vor Gericht verlesenen Aussage berichtete sie, solche Zwischenfälle habe es vor allem in der Anfangszeit des Untergrundlebens nach 1998 gegeben - "wenn ihm verbal die Argumente ausgingen".

Als Beispiel nannte Zschäpe den Streit darüber, dass eine Waffe offen in der Wohnung herumgelegen habe. Sie habe das nicht gewollt, er habe den "Streit mit Schlägen beendet". Zschäpe muss sich als einzige Überlebende des NSU-Trios vor dem Oberlandesgericht München für zehn mutmaßlich überwiegend rassistisch motivierte Morde verantworten.

Sie enthüllte erstmals auch Einzelheiten über den Kontakt zu dem mitangeklagten mutmaßlichen Helfer André E. und dessen Ehefrau. Das Paar habe über die Banküberfälle Bescheid gewusst, die Böhnhardt mit dem NSU-Komplizen Uwe Mundlos verübt haben soll. Von den Morden und Sprengstoffanschlägen soll das Ehepaar hingegen nichts gewusst haben.

Kontakte zu André E.

Etwa von 2006 an sei vor allem E.s Ehefrau fast jede Woche zu Besuch gekommen und habe auch ihre Kinder mitgebracht. Zschäpe sagte, das habe ihr gut getan, "da diese Kinder für mich eine Art Ersatzkinder waren". Sie selbst habe keine Kinder bekommen können.

Die Angeklagte gab auch Auskunft über den Tag, an dem das NSU-Trio nach einem missglückten Banküberfall ihrer beiden Komplizen in Eisenach aufflog und sich Mundlos und Böhnhardt dort das Leben nahmen. Zschäpe teilte mit, nachdem sie damals die gemeinsame Wohnung in Zwickau in Brand gesteckt hatte, habe sie sich mit André E. getroffen.

Zusammen seien sie zu ihm gefahren, wo E. ihr frische Sachen seiner Frau gegeben habe, "da meine Kleidung stark nach Benzin roch". Anschließend habe er sie zum Bahnhof gebracht. Nach einer mehrtägigen Irrfahrt mit der Bahn stellte Zschäpe sich der Polizei.

sms/mxw/dpa

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