Schlusswort im NSU-Prozess Zschäpe distanziert sich von rechter Szene - Urteil am 11. Juli

Im NSU-Prozess hat die Hauptangeklagte Beate Zschäpe ihr letztes Wort gesprochen. Über die rechte Szene sagte sie: "Mit diesem Kapitel habe ich abgeschlossen." Das Urteil soll kommende Woche fallen.

Beate Zschäpe
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Beate Zschäpe


Es ist das zweite Mal in bislang 437 Verhandlungstagen, dass Beate Zschäpe im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München das Wort ergreift: Zum Ende der Beweisaufnahme hat sich die 43-Jährige in ihren letzten Worten von der rechten Szene distanziert. Rechtes Gedankengut habe für sie "gar keine Bedeutung" mehr.

Die Bundesanwaltschaft sieht Zschäpe als Mittäterin an den Verbrechen der rechten Terrororganisation "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) - und hat lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung gegen sie beantragt. Zschäpes zwei Verteidigerteams halten sie mit Blick auf für die Morde und Anschläge dagegen für unschuldig.

"Bitte verurteilen Sie mich nicht stellvertretend für etwas, was ich weder gewollt noch getan habe", sagte Zschäpe zu den Taten des NSU. Sie habe erst "Stück für Stück das schreckliche Ausmaß der schrecklichen Taten" erfasst. An die Angehörigen der Opfer gerichtet, von denen viele den Prozess immer wieder im Gerichtssaal verfolgt hatten, sagte Zschäpe: "Ich bin ein mitfühlender Mensch und habe sehr wohl die Not und Verzweiflung der Angehörigen sehen und spüren können. (...) Ich entschuldige mich für das Leid, das ich verursacht habe."

Zschäpe: Keine Kenntnis, wie Opfer ausgewählt wurden

Zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt soll Zschäpe der Organisation angehört haben. Im September 2016 hatte sie erstmals in dem seit mehr als fünf Jahren andauernden Verfahren eine Erklärung vorgelesen: Sie verurteile, was "den Opfern angetan" worden sei.

In ihrem persönlichen Schlusswort sagte Zschäpe, sie habe nicht gewusst, warum die beiden Täter ihre Opfer an den verschiedenen Tatorten auswählten. Zschäpes Verteidiger hatten ihre Verantwortung für andere Straftaten des NSU zudem unterschiedlich bewertet: Ihre drei ursprünglichen Pflichtverteidiger hielten lediglich eine Strafe für einfache Brandstiftung für angebracht, ihre beiden Wunschverteidiger höchstens zehn Jahre Gefängnis wegen Beihilfe bei zahlreichen Überfällen.

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Anwälte, Ankläger, Gutachter: Die wichtigsten Personen im NSU-Prozess

Zschäpe sagte, sie habe in dem Prozess nur einmal ausgesagt, da ihr für mehr die körperliche und seelische Kraft gefehlt habe. Sie habe das Gefühl, dass ihr jedes Wort falsch oder nachteilig ausgelegt werde. "Ich möchte nur noch eines: einen Abschluss finden, um irgendwann ein Leben ohne Ängste führen zu können."

Auch Ralf Wohlleben, Holger G. und Carsten S. wollen in dem Prozess noch ihre letzten Worte sprechen. Der ebenfalls beschuldigte André E. dagegen hatte angekündigt, auf dieses Recht der Angeklagten verzichten zu wollen. Nach den letzten Worten will der OLG-Staatsschutzsenat unter Vorsitz von Richter Manfred Götzl am Mittwoch, 11. Juli, das Urteil gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin und ihre Mitangeklagten fällen.

Auch das Schlusswort der Hauptangeklagten hatte mit Verzögerung begonnen. Ein Nebenklageanwalt verlangte, dass zur Urteilsverkündung das Kreuz im Gerichtssaal doch noch abgehängt wird.

Den Ermittlern zufolge hatten Mundlos und Böhnhardt während der fast 14 Jahre, in denen das Trio im Untergrund lebte, zehn Menschen erschossen und zwei Sprengstoffanschläge verübt. Das Motiv war in fast allen Fällen Fremdenhass. Ein Mordopfer war eine Polizistin in Heilbronn. Der NSU-Prozess soll klären, welche Schuld Zschäpe und die Mitangeklagten daran haben. Mundlos und Böhnhardt hatten sich 2011 das Leben genommen.

apr/AFP/dpa



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