Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Zschäpe über ihren Gesundheitszustand: "Mir ist schlecht, bin zittrig auf den Beinen"

Von , München

Zschäpe (r.) mit Verteidigern: Weiter erkrankt Zur Großansicht
DPA

Zschäpe (r.) mit Verteidigern: Weiter erkrankt

Seit Tagen klagt Beate Zschäpe über Übelkeit, Magenschmerzen, Kopfweh, der NSU-Prozess ist erneut vertagt. Zuvor hatte ein Amtsarzt die Hauptangeklagte untersucht. "Bin heute früh fast umgekippt", sagte sie dem Mediziner.

Um kurz nach 12 Uhr ist an diesem Donnerstag im Saal A101 des Münchner Oberlandesgerichts schon wieder alles vorbei. Nach einer mehrstündigen Sitzungsunterbrechung erklärt der Vorsitzende Richter Manfred Götzl, dass die Hauptverhandlung im NSU-Prozess wegen der Erkrankung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe an diesem Tag nicht fortgesetzt werde, nächster Termin sei der 19. Mai.

Zschäpe verstaut ihre Sachen in einer rosafarbenen Tasche und verlässt den Saal. Schon länger klagt sie über Unwohlsein, bereits die beiden vergangenen Verhandlungstage waren fast vollständig beziehungsweise ganz ausgefallen.

"Komme, was wolle"

Am Donnerstag wirkt Zschäpe angeschlagen, als sie gegen 9.40 Uhr in den Saal kommt, um den Hals trägt sie ein dickes Tuch. In den vergangenen Monaten konnte man immer wieder beobachten, wie sie mit ihren Verteidigern im vertraulichen Gespräch scherzte - an diesem Tag gibt es solche Szenen nicht.

Wolfgang Heer, einer ihrer Anwälte, erklärt gleich zu Beginn der Verhandlung, dass Zschäpe weiter an Übelkeit, Magenschmerzen und Kopfschmerzen leide. Zschäpe sei gegen ihren Willen aus der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in den Gerichtssaal gebracht worden. Sie habe im Gerichtssaal zu erscheinen, "komme, was wolle", soll man ihr Heer zufolge gesagt haben.

Daraufhin unterbrach der Vorsitzende Richter Götzl die Verhandlung, zunächst bis 11, später bis 12 Uhr. Zschäpe wurde in der Zwischenzeit von einem Gerichtsarzt untersucht. Dem Mediziner gegenüber äußerte Zschäpe, dass sie sich sehr unwohl fühle. "Mir ist schlecht, habe wahnsinnige Kopfschmerzen, am ganzen Kopf, Magenschmerzen, Übelkeit, bin zittrig auf den Beinen, heute früh fast umgekippt, habe deshalb Turnschuhe angezogen."

Keine Untersuchung am Donnerstagmorgen

So steht es in einer Stellungnahme zur Verhandlungsfähigkeit, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. "Untersuchung mit Einverständnis von Frau Zschäpe", heißt es in dem Schreiben. "Ort: Arrestzelle, Zeit: 10.30".

Ferner heißt es in dem Schreiben, dass Zschäpe sich ihren Angaben zufolge nicht konzentrieren könne. Sie sei am Donnerstagmorgen nicht untersucht worden und habe Schmerzmittel genommen.

Zschäpe hatte am Dienstag erklärt, Grund für ihre Übelkeit sei eine Nachricht, die sie unmittelbar vor Sitzungsbeginn erhalten hatte. So hatte es an dem Tag Götzl unter Berufung auf einen Gerichtsarzt gesagt. Später stellte die Verteidigung der Hauptangeklagten einen Befangenheitsantrag gegen den Arzt.

Prozessbeteiligte rätseln weiter darüber, welche Nachricht Zschäpe zugesetzt haben könnte. Manche halten es für möglich, dass Zschäpes Unwohlsein mit einem Schreiben des Oberlandesgerichts zu tun haben könnte, das auf den 2. Mai datiert ist und dessen Inhalt zuletzt bekannt wurde. Demnach erwägt das Gericht, "im Hinblick auf die Beweisanträge auf Erstellung eines forensisch-linguistischen Vergleichsgutachtens" drei Briefe von Zschäpe an den befreundeten Neonazi Robin S. zu beschlagnahmen. Andere halten dem entgegen, dass Zschäpe wohl ohnehin davon ausgehen müsste, dass ihr Briefverkehr geprüft wird.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: