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NSU-Prozess: Zschäpe erwägt, ihr Schweigen zu brechen

Angeklagte Zschäpe: Vierseitiges Schreiben ans Oberlandesgericht Zur Großansicht
DPA

Angeklagte Zschäpe: Vierseitiges Schreiben ans Oberlandesgericht

Als Hauptangeklagte im NSU-Prozess hat Beate Zschäpe bislang geschwiegen. Nun erwägt sie laut einem Schreiben an den Vorsitzenden Richter, doch auszusagen. Das könnte den Bruch mit ihren Pflichtverteidigern bedeuten.

Steht im NSU-Prozess eine erstaunliche Wende bevor - oder taktiert die Hauptangeklagte Beate Zschäpe? Sie hat gegenüber dem Oberlandesgericht München erklärt, sie überlege, "etwas" auszusagen.

In einer vierseitigen Erklärung, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, übt Zschäpe heftige Kritik an ihren Pflichtverteidigern: Ihr erster Anwalt Wolfgang Heer surfe während der Verhandlung ständig im Internet. Heers Kollege Wolfgang Stahl twittere und organisiere seinen Urlaub aus dem Gericht. Anja Sturm habe gegen Zschäpes Willen einen Vertreter für einen Verhandlungstag bestellen wollen, an dem Sturm persönlich verhindert war. Als Zschäpe diesen Vertreter abgelehnt habe, hätte Sturm gekontert, sie sei aber auf die Kostenerstattung für diesen Tag angewiesen.

Der "Tagesspiegel" und "SWRinfo" hatten zuerst über die Erklärung Zschäpes berichtet.

Am Ende des Schreibens teilt Zschäpe hinter einem "PS:" mit, dass sie selbst überlege, "etwas" im Verfahren auszusagen - nachdem sie in den bisherigen 211 Verhandlungstagen konsequent geschwiegen hat. Ihre Verteidiger sollen ihr für diesen Fall aber drohen, das Mandat niederzulegen, beklagt sie gegenüber dem Gericht.

Die Anwälte hätten ihr mitgeteilt, falls sie zu einzelnen Vorwürfen etwas aussagen werde, würden sie das Gericht um ihre Entbindung bitten. Dadurch fühle sie sich unter Druck, eben weil sie durchaus eine Aussage überlege.

Was sie aussagen will, ließ Zschäpe offen - ebenso wie die Frage, ob die Anwälte gegen jede Form der Aussage sind oder nur Einwände gegen "Teileinlassungen", also Angaben zu einzelnen Aspekten, haben.

Die Verteidiger wollten sich zu der Erklärung ihrer Mandantin öffentlich nicht äußern. Gegenüber dem Gericht nahmen sie einzeln zu dem Schreiben Stellung: Sie erklärten sich weiterhin für Gespräche mit ihrer Mandantin bereit. Stahl, Heer und Sturm wiesen Zschäpes Vorwürfe zur Internetnutzung während der Verhandlung und zu der Äußerung über eine Kostenerstattung zurück. Die Erklärungen liegen SPIEGEL ONLINE ebenfalls vor.

Zschäpe hatte vergangene Woche beantragt, ihrer Pflichtverteidigerin Sturm das Mandat zu entziehen. Die Verteidiger wiesen die Vorwürfe der Angeklagten als haltlos zurück.

ulz

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