NSU-Prozess Zschäpes Anwälte tragen offen Streit aus

Der Streit zwischen Beate Zschäpes Wahl- und Pflichtverteidigern ist im NSU-Prozess eskaliert - die Sitzung wurde zwischenzeitlich unterbrochen. Von der Hauptangeklagten ist zudem eine weitere Erklärung zu erwarten.

Wahlverteidiger Hermann Borchert (l.) und Mathias Grasel, Angeklagte Zschäpe
DPA

Wahlverteidiger Hermann Borchert (l.) und Mathias Grasel, Angeklagte Zschäpe


Zwischen den Verteidigern der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe ist es zu einer offenen Auseinandersetzung im NSU-Prozess gekommen. Zschäpes Wahlverteidiger Hermann Borchert unterbrach einen Vortrag von Pflichtverteidiger Wolfgang Heer. Dieser hatte mehrere Fragen der Nebenkläger an Zschäpe als "ungeeignet oder nicht zur Sache gehörig" bezeichnet. Die Nebenkläger hatten im Juni Hunderte Fragen an Zschäpe gerichtet, die von ihrem zweiten Wahlverteidiger Mathias Grasel mitgeschrieben, aber noch nicht beantwortet wurden.

Borchert stoppte Heer und verlangte eine Besprechungspause. Er wolle zunächst mit Zschäpe klären, ob Heers Vortrag in ihrem Sinne sei. Daraufhin unterbrach das Gericht die Sitzung. Nach der Pause teilte Borchert mit, man toleriere nach Rücksprache mit Zschäpe Heers Vortrag.

Das Verhältnis zwischen Zschäpe und ihren drei Pflichtverteidigern Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm gilt seit Monaten als zerrüttet.

Heer handelte sich auch scharfe Kritik der Nebenkläger ein. Sie monierten, er bringe seine Kritik an ihren Fragen zu spät an und begründe sie nicht ausreichend. Das Gericht forderte die Prozessparteien auf, bis Dienstag - dem letzten Verhandlungstag vor der Sommerpause - Stellungnahmen dazu vorzubereiten.

Borchert kündigte außerdem an, es werde im Laufe des Prozesstags eine neue Erklärung seiner Mandantin geben. Zschäpe ist die einzige Überlebende des "Nationalsozialistischen Untergrunds". Die Bundesanwaltschaft hat sie als Mittäterin an den zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden und zwei Sprengstoffanschlägen angeklagt, die dem NSU angelastet werden.

Die Vernehmung eines Zeugen, der im Jahr 1999 an einer Schlägerei von Jenaer Rechtsextremisten beteiligt gewesen sein soll, fiel aus, weil der Zeuge nicht erschien. Rechtsanwalt Olaf Klemke, der den Mitangeklagten Ralf Wohlleben verteidigt, beantragte, den Mann zwangsweise vorzuführen, ihm die entstandenen Kosten aufzuerlegen und ein Ordnungsgeld gegen ihn zu verhängen. Darüber entschied das Gericht zunächst nicht.

In teils scharfen Worten attackierte Verteidiger Klemke auch die Bundesanwaltschaft. Diese habe Vernehmungsunterlagen nicht rechtzeitig zu den Prozessakten gegeben, sondern in einem anderen Ermittlungsverfahren "geparkt" und als "Puzzle" erst weitergereicht, "wenn's denn mal genehm ist".

ulz/dpa

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