NSU-Prozess Böhnhardts Mutter macht Behörden Vorwürfe

Im Münchner NSU-Prozess hat die Mutter des mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt ausgesagt. Die 65-Jährige gab an, nach dem Untertauchen ihres Sohnes noch Kontakt zu ihm gehabt zu haben. Zudem erhob sie Vorwürfe gegen Beamte des Landeskriminalamts.

Brigitte Böhnhardt: "Wir haben vom ersten Telefongespräch an verlangt, dass sie sich stellen"
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Brigitte Böhnhardt: "Wir haben vom ersten Telefongespräch an verlangt, dass sie sich stellen"


München - Der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München ist mit der Vernehmung der Mutter des mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt fortgesetzt worden. Brigitte Böhnhardt machte den Behörden bei ihrer Aussage Vorwürfe. Beamte des Landeskriminalamts hätten damit gedroht, die drei flüchtigen Neonazis zu erschießen, falls sie sich einer Festnahme widersetzten, sagte sie. Ein Beamter habe ihr gesagt: "Wenn wir sie aufspüren und die zucken nur - glauben Sie mir, unsere Leute sind schneller mit der Pistole, die haben das gelernt."

Die pensionierte Lehrerin berichtete, dass sie nach dem Untertauchen des Trios noch Kontakt zu ihrem Sohn und seinen mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gehabt habe. Die Gespräche seien von Telefonzellen aus geführt worden. "Wir haben vom ersten Telefongespräch an verlangt, dass sie sich stellen", sagte die 65-Jährige. Bei späteren Unterhaltungen seien ihr Sohn und Zschäpe grundsätzlich dazu bereit gewesen - Uwe Mundlos aber nicht.

Mundlos und Böhnhardt hatten sich laut Staatsanwaltschaft am 4. November 2011 selbst getötet, um der Festnahme zu entgehen. Beate Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios. Insgesamt rechnet die Anklage dem NSU zehn Morde, zwei Bombenanschläge und zahlreiche Raubüberfälle zu.

Brigitte Böhnhardts Vernehmung vor dem Oberlandesgericht München war in der vergangenen Woche verschoben worden. Sie hatte im Juni bereits als Zeugin im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss ausgesagt. Auch dort gab sie an, in den ersten Jahren nach dem Untertauchen 1998 sporadisch Kontakt zu dem Trio gehabt zu haben. Brigitte Böhnhardt sagte bereits damals: "Die Polizei wollte sie erschießen."

wit/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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noalk 19.11.2013
1. Wo sind die Vorwürfe?
Frau Bönhhardt wird nur mit Tatsachenbehauptungen zitiert. Welche Vorwürfe hat sie denn nun konkret geäußert?
Lord Chester 19.11.2013
2. Und wo ist der Nutzen dieser Aussage?
Das Gerichtsverfahren gerät zu einer Quasselrunde. Diese Familiengeschichte hat doch nicht das geringste mit der Anklage zu tun. "Mein Sohn aß gerne Bohnensuppe." "Nein, sach." Die Anklage richtet sich sich gegen Frau Zschäpe und lautet auf Beihilfe zum 10-fachen Mord. Der Staatsanwalt muss also beweisen, das Frau Zschäpe an den Morden beteiligt war. Bis heute gibt es dafür keinen einzigen Beweis! Es gibt ja noch nicht einmal einen validen Beweis für die Brandstiftung. Ein Gutachter hat gemeint, er hätte Benzinspuren an den Socken gefunden. Aber nicht in den Schuhen. Was zwangsläufig wäre. Und so was sollen Beweise sein?
tsitsinotis 19.11.2013
3. Ich glaub´es nicht:
Zitat von noalkFrau Bönhhardt wird nur mit Tatsachenbehauptungen zitiert. Welche Vorwürfe hat sie denn nun konkret geäußert?
Die Polizei hat der Mutter gesagt, sie würde ihren Sohn erschießen - reicht das nicht? - Ansonsten: Tote Zeugen reden nicht.
iffel1 19.11.2013
4. Sie bleibt ersteinmal Zeugin und wenn sie nix mehr sagt,
kann sie endlich wegen Beihilfe angeklagt werden und dann ihr Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch nehmen. Denn sie hat die Drei gedeckt - nach eigener Aussage ja nach dem Abtauchen noch mehrfach getroffen - und das ist Beihilfe. Gleich mit wegsperren und gut ist.
ephlang 19.11.2013
5. ich glaube nicht....
das die frau an den morden beteiligt war,wenn sie denn davon wusste dann erst als schon einige passiert waren,sonst haette sie sich nicht gestellt sondern waere ihren beiden freunden in den tod gefolgt.So verachtenswert deren taten auch sind,erstaunt hat mich das nicht,alle drei kommen aus den neuen bundeslaendern und dort wurde nicht dieselbe aufklaerung betrieben wie im westen.ich glaube eher das die frau im ansatz sicher neo-nazi ist und war,aberdas ist ja nicht strafbar. Was ist eigentlich aus den Türkisch stämmigen attentaetern des jonny k's geworden,sind die immer noch auf freiem fuss. Naerboden fuer entstehung von neo-nazis gibt es genug,besonders fuer unterbelichtete jugendliche die sich benachteiligt fuehlen,und die gibt es ueberall nicht nur in D.
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