NSU-Morde Ermittler finden neues neonazistisches Material

Todeslisten, antisemitische Kommentare, Drohungen gegen Politiker: Bei einer Wohnungsdurchsuchung haben Strafverfolger neonazistisches Material gefunden. Wie beim NSU-Prozess bekannt wurde, gibt es eine direkte Verbindung zu den Angeklagten Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos.

NSU-Prozess in München: Neues neonazistisches Material gefunden
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NSU-Prozess in München: Neues neonazistisches Material gefunden


München - Während in München der 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts gegen Beate Zschäpe und weitere vier Angeklagte wegen Mittäterschaft beziehungsweise Unterstützung des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) verhandelt, wird im Umfeld dieser rechtsextremen, mutmaßlich terroristischen Vereinigung weiter ermittelt. Dabei stießen die Strafverfolger offenbar auf weiteres brisantes Material, das nachträglich den Prozessakten hinzugefügt worden ist.

Demnach wurde offenbar anlässlich einer Durchsuchung bei André K., einem Mitglied der rechtsgerichteten Kameradschaft Jena und des Thüringer Heimatschutzes, umfangreiches neonazistisches Material gefunden. Es soll in direktem Zusammenhang mit den NSU-Morden und mit den Angeklagten zu werten sein.

Im NSU-Prozess wurde am Donnerstag bekannt, dass es sich dabei um "Geburtstagspost" zu André K.s 23. Geburtstag handle. Diese "Post" bestehe aus Foto- und Textstücken, die in der Art der "Bild"-Zeitung aufbereitet worden seien.

In der Sammlung befänden sich Todeslisten, antisemitische Kommentare zu dem mittlerweile verstorbenen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Deutschlands, Ignaz Bubis, die zum Mord aufriefen, sowie Drohungen gegen Politiker wie Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Helmut Kohl.

Unter dem Slogan "Die Drei von der Tankstelle" werde die Umwidmung des KZ Buchenwald in eine "Gas-Tankstelle" propagiert, hieß es im Münchner Gerichtssaal. Außerdem fänden sich Hinweise auf einen von den drei Mitgliedern des NSU - Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe - verübten Anschlag auf eine Justitia-Statue, bei dem diese geköpft und verunstaltet worden sei. Weiter heiße es in den "Artikeln", falls André K. sein "Werk" nicht vollenden könne, stünden die Kameraden des Thüringer Heimatschutzes bereit.

Der Fund belege eine "verfestigte rassistische und rechtsextremistische Weltanschauung des Angeklagten Ralf Wohlleben und seines politischen Umfeldes", erklärten dazu mehrere Vertreter der Nebenklage, wozu unter anderen auch Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe sowie der Mitangeklagte Holger G. gehörten. Sie belegten außerdem die Bereitschaft dieser Personen, sich zur Durchsetzung ihrer ideologischen Ziele terroristischer Mittel bis hin zu Mord zu bedienen.

Götzl lässt Aufnahmen einer Überwachungskamera erneut prüfen

Zudem gab der Vorsitzende Richter des NSU-Prozesses, Manfred Götzl bekannt, eine neue Spur zu verfolgen. Er habe beim Bundeskriminalamt "Maßnahmen zur Verbesserung von Bildqualität und Vergrößerung" von Videoaufnahmen in Auftrag gegeben.

Demnach geht es um Aufnahmen einer Überwachungskamera in der Nähe des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße. Darauf seien "Bilder einer Passantin, bei denen man an eine gewisse Ähnlichkeit mit Frau Zschäpe denken könnte". Mehr sagte Götzl nicht. Es wäre eine Sensation, wenn neben Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nun auch noch Zschäpe in der Videosequenz zu sehen wäre. Denn bislang gibt es keine belastbaren Hinweise, dass Zschäpe selbst bei den Anschlägen des NSU in der Nähe der Tatorte gewesen sein könnte.

Mit Material von dpa

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