Ilona Mundlos beim NSU-Prozess "Mutti, es ist was passiert"

Sie gab ihrem Sohn noch eine EC-Karte, weil er Geld brauchte, einen Tag später sah man sich noch einmal - dann nie wieder: Ilona Mundlos, Mutter des mutmaßlichen NSU-Terroristen, hat jetzt im Prozess als Zeugin ausgesagt.

Mutmaßlicher NSU-Terrorist Uwe Mundlos (Polizeifoto): "Ich muss fort, ich brauch' Geld"
REUTERS/ BKA

Mutmaßlicher NSU-Terrorist Uwe Mundlos (Polizeifoto): "Ich muss fort, ich brauch' Geld"


München - Im Münchner NSU-Prozess hat die Mutter des mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos als Zeugin geschildert, wie ihr Sohn 1998 in den Untergrund ging.

Er sei am Tag des Untertauchens in die Kaufhalle gekommen, in der sie arbeitete, und habe gesagt: "Mutti, es ist was passiert, ich muss fort, ich brauch' Geld." Sie habe ihm dann eine EC-Karte gegeben, sagte die 63-Jährige vor dem Oberlandesgericht München.

Die späteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe waren nach der Durchsuchung einer von ihnen als Bombenwerkstatt genutzten Garage abgetaucht. Zwei Tage später habe ihr Sohn sie nochmals auf der Arbeit besucht, sagte Ilona Mundlos. Er habe gesagt: "Mutti, mit den Waffen habe ich nichts zu tun." Ihm drohten sieben Jahre Haft - er müsse verschwinden, bis die Sache verjährt sei. Das dauere zehn Jahre. "Seitdem habe ich nie wieder von ihm gehört", sagte die Mutter des Rechtsextremisten, der sich Ende 2011 das Leben genommen hatte.

Im Dezember hatte bereits der Auftritt seines Vaters Siegfried Mundlos vor Gericht für Aufsehen gesorgt. Der frühere Informatikprofessor war bei seiner Aussage zum Teil heftig mit Richter Manfred Götzl aneinandergeraten. Seinen Sohn schilderte er als hilfsbereit; stets habe er sich liebevoll um den zwei Jahre älteren behinderten Bruder gekümmert. "In der DDR wäre er als systemkritischer Geist durchgegangen", sagte Mundlos senior vor Gericht.

Ilona Mundlos sagte als letztes Elternteil der drei mutmaßlichen NSU-Terroristen aus. Sie gab an, wegen der Pflege ihres schwerbehinderten Sohnes mit dem jüngeren Sohn weniger zu tun gehabt zu haben. "Mein Mann hat sich mehr um Uwe gekümmert." Es habe nie Probleme mit diesem gegeben. "Wir waren eine glückliche Familie."

rls/dpa



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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
cicero.catilina 03.04.2014
1.
jaja. glückliche Familie. klar. dass Eltern die Welt der Kindheit ihrer Kinder immer rosarot sehen ist klar. aber ich wäre still gewesen. wenn's mein Kind gewesen wäre. Zeugnisverweigerungsrecht haben alle Eltern. also klappe halten.
cobden27 03.04.2014
2. Relevanz der Informationen
Inwieweit ist diese Information jetzt relevant für die Frage, ob die Angeklagte nun schuldig ist oder nicht?
bronck 03.04.2014
3.
Zitat von cobden27Inwieweit ist diese Information jetzt relevant für die Frage, ob die Angeklagte nun schuldig ist oder nicht?
Genau das habe ich mich auch gefragt. Sollten Fragen des Richters nicht der Ermittlung des Sachverhaltes dienen, denn der Befriedigung der Neugier der Medien?
PeterPan95 03.04.2014
4.
Zitat von cobden27Inwieweit ist diese Information jetzt relevant für die Frage, ob die Angeklagte nun schuldig ist oder nicht?
In dem Prozess geht es unter Anderem um das Verhältnis der Angeklagten zu dem Sohn der Zeugin, weshalb ihre Aussage durchaus relevante Informationen beinhalten kann. Zudem werden bei so einem Prozess nicht nur Schuld/Unschuld untersucht, sondern auch (wenn nicht wie bei Hoeness läuft) Hintergründe, die Schlüsse auf Motive, die Schwere der Schuld oder oder oder zulassen. So besteht der Unterschied zwischen Totschlag und Mord einzig in der Bewertung - Tot ist das Opfer in jedem Fall. Es gibt schon gute Gründe, warum das Strafsystem in D als täterfixiert beschimpft wird. Im Prozess geht es meistens um Täter, nicht um Opfer.
beegee 03.04.2014
5.
""In der DDR wäre er als systemkritischer Geist durchgegangen", sagte Mundlos senior vor Gericht." Den find ich fast drollig. Wie manche ehemalige DDR-Bürger sich die Vergangenheit zusammenbiegen ist schon fast bedauernswert. Ein eindeutig rechtsradikaler Nazi als "systemkritischer Geist"?!!? Der wäre in Bautzen gelandet un dnicht "durchgegangen".
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