Türkische Presseschau "Die deutsche Justiz gibt kein gutes Bild ab"

Nach dem dritten Verhandlungstag im NSU-Prozess widmen sich türkische Zeitungen dem schleppenden Fortgang des Verfahrens - und kritisieren unter anderem die Forderung eines Zschäpe-Verteidigers nach einem Lachverbot.


Türkische Zeitungen berichten ausführlich vom NSU-Prozess in München. Acht der zehn Opfer waren türkischer Herkunft. Nach dem dritten Verhandlungstag schreiben die Blätter über einen "Nervenkrieg" im Gerichtssaal - und das nachlassende Interesse an dem Prozess.

Recai Aksu, Deutschlandkorrespondent der Tageszeitung "Yurt", schreibt über die Konsequenzen des schwindenden Medieninteresses:

"Das Interesse an dem Prozess nimmt ab. Deshalb wird Folgendes passieren: Nazis werden in den Gerichtssaal kommen. Sie werden dort unseren Platz einnehmen und versuchen, dort eine Öffentlichkeit zu schaffen."

Der Kolumnist Fehmi Koru kritisiert in der Tageszeitung "Star" unter anderem die deutsche Justiz:

"Aus welchem Blickwinkel man es auch betrachtet - die deutsche Justiz gibt kein gutes Bild ab. Auch die deutschen Medien haben keine gute Arbeit geleistet. Weder in der Zeit, in der die Morde begangen wurden, noch danach."

Unter der Überschrift "Die Show der Neonazi-Anwälte" schreibt Rahmi Turan in "Sabah":

"Die Anwälte der Angeklagten haben gestern mit weiteren Anträgen eine Show abgezogen." Im Münchner Gerichtssaal tobe ein "Nervenkrieg".

In der Tageszeitung "Taraf" hieß es:

"Am dritten Tag des NSU-Prozesses verlor man die Kontrolle. Anwälte der Angeklagten haben mit dem Richter wegen Gelächter im Saal gestritten." Das Verfahren vor dem Oberlandesgericht sei "kein Prozess, sondern ein Wortgefecht".

Die Europa-Ausgabe der Zeitung "Hürriyet" meldete:

"Nazi-Braut will Lachverbot"

Zusammengestellt von Bülent Bilik/AFP



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