Münchner Prozess NSU-Opfer existiert nicht - BKA befragt Nebenkläger

Das angebliche NSU-Opfer Meral Keskin gibt es nicht - das hat ein Nebenkläger des Münchner Prozesses eingeräumt. Der Mann soll einem Anwalt gegen Provision die falsche Mandantin vermittelt haben. Nun bekam er Besuch vom BKA.

Von Wiebke Ramm

Kölner Keupstraße im Jahr 2011: Mehr als 20 Verletzte bei Bombenanschlag 2004
DPA

Kölner Keupstraße im Jahr 2011: Mehr als 20 Verletzte bei Bombenanschlag 2004


Eine Frau namens Meral Keskin, angebliches Opfer des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße und Nebenklägerin im NSU-Prozess, gibt es nicht. Das räumte Nebenkläger Atilla Ö. nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen am Samstag gegenüber Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) ein. Weiter habe Ö. sich nicht geäußert, sondern sich auf sein Recht berufen, sich nicht selbst belasten zu müssen, teilte der Kölner Anwalt Reinhard Schön mit, der Ö. im NSU-Prozess vertritt.

Am Freitag hatte SPIEGEL ONLINE über den mutmaßlichen Betrug im NSU-Prozess berichtet: Anwalt Ralph Willms, der Meral Keskin seit mehr als 230 Verhandlungstagen vor dem Münchner Oberlandesgericht vertreten hatte, räumte ein, Frau Keskin sei "wahrscheinlich überhaupt nicht existent". Er sei von Nebenkläger Ö. getäuscht worden und habe Anzeige gegen diesen erstattet.

Ein Paukenschlag in dem so wichtigen Prozess. Der Generalbundesanwalt schickte gleich mehrere BKA-Beamte in die Wohnung von Atilla Ö. und dessen Mutter.

Ö. ist ebenfalls Nebenkläger im NSU-Prozess und hat als Opfer des Bombenanschlages in der Keupstraße auch schon vor Gericht ausgesagt. "Dass Herr Ö. Opfer des Anschlages in der Keupstraße ist, steht unbestreitbar fest", betont sein Nebenklagevertreter Schön. "Sämtliche Spekulationen darüber, dass Herr Ö. selbst nicht Opfer ist, sind haltlos."

Atilla Ö. droht nun ein Verfahren unter anderem wegen Betrugs. Rechtsanwalt Schön wird ihn in einem solchen Verfahren nicht verteidigen. "Wir sind mit Herrn Ö. zu dem Ergebnis gekommen, dass in einem solchen Verfahren, in dem Herr Ö. Beschuldigter wäre, eine Vertretung nicht durch Anwälte unserer Kanzlei erfolgen wird", teilt er mit.

Willms' Anwalt Peter Nickel wollte sich zu der Frage, ob auch Willms am Wochenende Besuch vom BKA bekommen hat, nicht äußern. Nickel teilte mit, "dass im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen vorerst keine weiteren Stellungnahmen zur Sache erfolgen werden".

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