NSU-Prozess Schweizer Polizist kann Lieferweg der Tatwaffe nicht aufklären

Wie gelangte die Ceska in den Besitz der Neonazis? Diese Frage sollte ein Schweizer Polizist im NSU-Prozess in München beantworten. Mit der Pistole wurden neun Menschen erschossen.

Tatwaffe Ceska 83: Wie kam sie nach Jena?
Getty Images

Tatwaffe Ceska 83: Wie kam sie nach Jena?


München - Die erhoffte Klarheit blieb aus: Die Zeugenvernehmung eines Schweizer Kriminalpolizisten hat im NSU-Prozess nicht weiter erhellen können, wie eine der Tatwaffen nach Jena kam. Der Beamte aus dem Kanton Bern hatte gegen zwei Schweizer ermittelt, die dem "Nationalsozialistischen Untergrund" mutmaßlich die Pistole vom Typ Ceska besorgt hatten.

Einer der beiden habe in einer Vernehmung ausgesagt, er habe zwei Jahre in Apolda in Thüringen gewohnt, berichtete der Schweizer Ermittler vor dem Oberlandesgericht München. In Thüringen habe der Mann einen Jugendfreund von Uwe Böhnhardt aus Jena kennengelernt. Einer der beiden vernommenen Männer sei in den Unterlagen eines Waffengeschäfts als Empfänger der Pistole vermerkt, sagte der Polizist. Diese Waffe soll er an den zweiten Schweizer Verdächtigen übergeben haben.

Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft stammt die Pistole aus der Schweiz und soll über die beiden Schweizer nach Jena gelangt sein. Allerdings fehlt bisher ein Beweis, um den Lieferweg der Pistole lückenlos zu belegen. Bereits Mitte September waren zwei Schweizer Kantonspolizisten aus Bern zu dieser Frage als Zeugen gehört worden.

Beide Verdächtige hätten bestritten, mit der Ceska zu tun gehabt zu haben, berichtete der nun als Zeuge geladene Kriminalpolizist. Bei seinen Ermittlungen sei er davon ausgegangen, dass das Waffenbuch des Händlers korrekt geführt worden sei. Die Verteidigung von Ralf Wohlleben, der wegen Beihilfe angeklagt ist, hielt dem Polizisten hingegen ein Aktenstück vor, aus dem hervorgeht, dass gegen den Händler in der Vergangenheit schon ermittelt wurde. Davon habe er nichts gewusst, räumte der Beamte ein.

Wohlleben soll den Kauf der Pistole laut Anklage in Auftrag gegeben und gewusst haben, dass damit Morde geplant waren. Mit der Waffe, die mit einem Schalldämpfer ausgestattet war, ermordete der NSU mutmaßlich alle neun türkisch- und griechischstämmigen Opfer. Nur bei dem Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter wurde die Pistole nicht verwendet.

wit/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.