NSU-Zeuge Tino Brandt Szene wollte Rückkehr des Trios aus dem Untergrund

Im NSU-Prozess hat der ehemalige V-Mann Tino Brandt seine Aussage fortgesetzt: Er schilderte vor Gericht die Bemühungen der rechtsextremen Szene in Thüringen, dem NSU-Trio eine Rückkehr aus dem Untergrund zu ermöglichen.

Tino Brandt (2001): Wichtiger Zeuge im NSU-Prozess
Peter Juelich

Tino Brandt (2001): Wichtiger Zeuge im NSU-Prozess


München - Welche Rolle spielte die rechtsextreme Szene in Thüringen nach dem Untertauchen der drei späteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Jahr 1998? Ihr Umfeld bemühte sich offenbar fieberhaft, sie zur Rückkehr in die Legalität zu bewegen oder ein Versteck im Ausland für die drei zu finden. Das geht aus den Aussagen von Tino Brandt im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München am Mittwoch hervor. Der Gründer des "Thüringer Heimatschutzes" ist diese Woche der einzige Zeuge.

Brandt sagte, er erinnere sich grob, dass er im Juni 1999 mit dem Neonazi Thorsten Heise über eine Flucht des Trios nach Südafrika gesprochen habe. An diesem Tag habe Heise seine Hochzeit gefeiert. Ob das Trio seine Kontaktleute telefonisch bedrängt habe, die Suche nach einer Zuflucht zu beschleunigen, wisse er nicht mehr. Nur dunkel erinnere er sich an ein mögliches Ziel in einer "jungen autonomen Burenrepublik" in Südafrika.

Gleichzeitig habe er sich bemüht, eine Rückkehr des Trios in die Legalität zu bewerkstelligen. "Wir Thüringer wollten ja, dass die zurückkommen, die drei, und haben da alles drangesetzt", sagte Brandt. "Weil sie ja durchaus gefehlt haben." Darum "haben wir einen Szeneanwalt drangesetzt".

Zschäpe-Vollmacht

Brandt zufolge sollte ein damals zum NPD-Bundesvorstand zählender Anwalt bei den Ermittlungsbehörden prüfen, ob "sozial verträglich" mit der Aussicht auf eine nur geringe Strafe eine Rückkehr der drei möglich wäre. Der Jurist habe auch eine Vollmacht zur Vertretung Zschäpes gehabt - wer ihm diese Vollmacht übergeben habe, wisse er aber nicht mehr, sagte Brandt. Er habe mehrmals mit dem Anwalt telefoniert und ihn einmal getroffen.

Das NSU-Trio war nach dem Entdecken ihrer Bombenwerkstatt in Jena untergetaucht. Dem NSU werden unter anderem zehn Morde und zwei Bombenanschläge angelastet. Die Taten sollen die mutmaßlichen Rechtsterroristen aus Ausländerhass verübt haben. Aufgeflogen war die Gruppe erst, nachdem sich Mundlos und Böhnhardt nach einem missglückten Banküberfall 2011 das Leben genommen hatten.

Brandt baute nicht nur den "Thüringer Heimatschutz" auf, in dem vor ihrem Verschwinden auch Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe aktiv waren. Zugleich diente er dem Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz als V-Mann.

wit/dpa/AFP

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