NSU-Prozess Zschäpe ist schlecht

Die Verteidiger der mutmaßlichen NSU-Terroristin Beate Zschäpe sollten ihr Plädoyer halten. Es kam alles anders. Die Hauptangeklagte klagte über Übelkeit und Kopfschmerzen.

Beate Zschäpe neben ihren Anwälten Hermann Borchert (links) und Mathias Grasel
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Beate Zschäpe neben ihren Anwälten Hermann Borchert (links) und Mathias Grasel

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Tag 416 der Verhandlungen im NSU-Prozess erinnert an Tag 375. Damals, am 25. Juli 2017 schloss der Senatsvorsitzende Manfred Götzl die Beweisaufnahme und forderte die Vertreter des Generalbundesanwalts auf, mit ihrem Schlussvortrag zu beginnen. Bundesanwalt Herbert Diemer musste um eine kurze Unterbrechung bitten, um erst seine Notizen zu holen. Lautes Auflachen in Saal 101 des Münchner Oberlandesgerichts.

Ganz offensichtlich hatte Diemer nach all den Verzögerungen in dem Mammutverfahren um zehn überwiegend rassistisch motivierte Morde, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle nicht mit seinem Auftritt gerechnet.

An diesem Mittwoch beginnt die Hauptverhandlung zwei Stunden später als geplant, hangelt sich von Pause zu Pause, und so richtig glaubt keiner der Prozessbeteiligten daran, dass Hermann Borchert, der Wahlverteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe, heute mit seinem Plädoyer beginnen wird. Das einzige Indiz, das dafürsprechen könnte: Verteidiger Borchert, der bislang eher durch Abwesenheit im Gerichtssaal glänzte, ist anwesend.

Um 12.59 Uhr schließt Götzl erneut die Beweisaufnahme und wendet sich Zschäpes Verteidigerriege zu: "Zum Prozedere jetzt: Wer möchte von Ihnen beginnen?" Borchert antwortet mit heiserer Stimme: "Ich hatte beabsichtigt, heute zu beginnen. Die Mandantin aber hat mir gerade mitgeteilt, dass sie unter starker Übelkeit und starken Kopfschmerzen leidet." Er wisse daher nicht, ob er "wirklich beginnen" solle.

Zschäpe, schwarz gekleidet und in einen bunten Schal gehüllt, blickt durch ihre Brillengläser zum Gericht. "Frau Zschäpe, brauchen Sie einen Arzt?", fragt Götzl. Die 43-Jährige antwortet, aber man kann ihre Stimme nicht hören. Ob sie das Mikrofon benutzen könne, bittet sie Götzl. Da schnappt sich ihr Pflichtverteidiger Mathias Grasel das Kabel und sagt laut vernehmbar, Zschäpe habe bereits am Morgen "entsprechende Medikamente" eingenommen. Es würde Sinn ergeben, dass ein Arzt "noch mal drüberschaut".

Pause bis 13.30 Uhr. Justizbeamte bauen auf Borcherts Platz ein Rednerpult auf, er selbst nimmt dahinter Platz, blättert in einer schwarzen Kladde, knetet sich die Hände. Auf der Zuschauertribüne werden Wetten abgeschlossen.

Um 13.45 Uhr verkündet Götzl, dass der Amtsarzt Beate Zschäpe für "nicht verhandlungsfähig" erklärt habe. Am Donnerstag nun soll es tatsächlich losgehen mit den Plädoyers der Verteidigung. Fast sechs Wochen, nachdem die Plädoyers der Nebenklage-Vertreter abgeschlossen sind.

Im Anschluss an Borchert ist Grasels Schlussvortrag geplant; danach sollen die Altverteidiger Zschäpes - Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl, Anja Sturm - plädieren.

Mitarbeit: Thomas Hauzenberger

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