Früherer NPD-Funktionär Wohlleben plant Aussage im NSU-Prozess

Ralf Wohlleben ist als einer der mutmaßlich wichtigsten NSU-Helfer angeklagt, im Prozess vor dem Oberlandesgericht München hat er bisher geschwiegen. Nach Informationen des SPIEGEL will er nun, wie Beate Zschäpe, offenbar aussagen.

Angeklagter Wohlleben (Archiv): mutmaßlicher NSU-Helfer
DPA

Angeklagter Wohlleben (Archiv): mutmaßlicher NSU-Helfer


Im Münchner NSU-Prozess will offenbar ein weiterer Angeklagter sein Schweigen brechen. Nach Informationen des SPIEGEL bereitet auch Ralf Wohlleben eine Aussage vor. "Kein Kommentar", sagt dazu seine Verteidigerin Nicole Schneiders.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 47/2015
Helmut Schmidt, Jahrhundertmann

Wohlleben gehörte laut Anklage zu den Unterstützern des NSU. Er muss sich wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen verantworten und sitzt seit November 2011 in Untersuchungshaft. Wohlleben soll dem NSU mithilfe eines Kuriers die Ceska-Pistole besorgt haben, mit der neun Menschen erschossen wurden.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.

Wie am Montag bekannt wurde, will die Hauptangeklagte Beate Zschäpe zweieinhalb Jahre nach Beginn des Verfahrens nun erstmals aussagen. Ihr Verteidiger Mathias Grasel soll eine umfassende Erklärung vortragen. Geplant war das eigentlich für den gestrigen Mittwoch - der Verhandlungstag fiel jedoch aus, weil das Gericht den Prozess nach zwei Anträgen bis zum kommenden Dienstag unterbrochen hat.

Die Zschäpe-Altverteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm beantragten erneut ihre Entlassung als Pflichtverteidiger - sie hatten von der geplanten Aussage ihrer Mandantin erst durch die Berichterstattung auf SPIEGEL ONLINE erfahren. Ihre Verteidigungsstrategie sieht vor, dass Zschäpe sich zu den Vorwürfen nicht äußert.

Über die seit Wochen laufenden Vorbereitungen der Aussage wurden sie weder von Grasel noch vom Gericht informiert. "Unsere Verteidigerbestellungen sind nur noch Fassade und dienen erkennbar nur der Aufrechterhaltung des Scheins einer ordnungsgemäßen Verteidigung", sagte Heer.

Zudem stellte die Wohlleben-Verteidigung erneut einen Befangenheitsantrag gegen den Senat unter dem Vorsitz von Richter Manfred Götzl. Das Gericht erklärte, mit einer Entscheidung sei nicht vor Anfang nächster Woche zu rechnen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechs Mal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.