NSU-Prozess Wohlleben-Verteidigung stellt Befangenheitsantrag

Im NSU-Prozess kommen die Nebenkläger mit ihren Plädoyers nicht voran. Die Verteidigung des Angeklagten Ralf Wohlleben lehnt die Richter ab - die sollen sich schon auf ein Urteil festgelegt haben.

Ralf Wohlleben (Archiv)
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Ralf Wohlleben (Archiv)


Am 409. Tag des NSU-Prozesses hat ein Verteidiger des Angeklagten Ralf Wohlleben einen Befangenheitsantrag gestellt. Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München habe sich schon auf ein Urteil gegen Wohlleben festgelegt, obwohl der Prozess noch laufe, sagte sein Anwalt Olaf Klemke.

Das Gericht hatte zuvor einen Beweisantrag Wohllebens abgelehnt. Darin verlangte er, zwei Männer als Zeugen zu laden. Die Mordwaffe hätten nicht er und ein weiterer Mitangeklagter für die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt beschafft, sondern die beiden als Zeugen benannten Männer.

Mundlos und Böhnhardt waren zusammen mit der Hauptangeklagten Beate Zschäpe 1998 in den Untergrund abgetaucht. Mehr als 13 Jahre lang konnten die Täter unerkannt unter falschen Identitäten im Untergrund leben.

Zschäpe muss sich als Mittäterin der rechtsextremen Verbrechensserie verantworten. Dem NSU ("Nationalsozialistischen Untergrund") werden Morde an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern und einer Polizistin sowie Anschläge und Raubüberfälle zugeschrieben. Alle Opfer außer der Polizistin wurden mit derselben Pistole vom Typ "Ceska" mit Schalldämpfer erschossen.

Wohlleben soll diese Waffe zusammen mit einem Mitangeklagten beschafft haben. Deshalb ist er wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Zschäpe gilt der Bundesanwaltschaft als NSU-Mitglied und Mittäterin. Für Zschäpe hat die Anklage lebenslange Haft beantragt, für Wohlleben zwölf Jahre.

Der Prozess soll am kommenden Dienstag fortgesetzt werden.

ulz/dpa

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