Zeuge über Beate Zschäpe "Sie war auf keinen Fall das 'Mäuschen'"

Max-Florian B. half dem mutmaßlichen Terror-Trio bei der Flucht, im NSU-Prozess gilt er als wichtiger Zeuge. Vor Gericht verweigerte er zwar die Aussage - doch nun wurde aus seinen Vernehmungsprotokollen zitiert. Und die belasten nicht nur Beate Zschäpe.

Angeklagte Beate Zschäpe: "Als Einheit aufgetreten"
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Angeklagte Beate Zschäpe: "Als Einheit aufgetreten"


München - Max-Florian B. gilt im NSU-Prozess als wichtiger Zeuge, er war Fluchthelfer der Zwickauer Terrorzelle. Umfassend hatte er während der Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Rechtsterroristen ausgesagt. Seine Aussagen füllen einen ganzen Ordner. Doch dann schwieg der Mann vor Gericht, gegen ihn läuft ebenfalls ein Ermittlungsverfahren. Nun zitierte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl vor dem Münchner Oberlandesgericht OLG aus ebenjenen Akten. Und sie belegen laut Bundesanwaltschaft den Vorwurf der Mittäterschaft Zschäpes bei sämtlichen Morden, Anschlägen und Überfällen des NSU.

"Sie war auf keinen Fall das 'Mäuschen', das den beiden nur das Essen kocht", sagte B. demnach über die Rolle Zschäpes im Zusammenspiel mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die drei seien für ihn "als Einheit aufgetreten". Über einzelne frühere Straftaten des Trios sagte B. in seinen Vernehmungen durch das Bundeskriminalamt (BKA), Zschäpe sei zwar nach eigener Aussage nicht an der eigentlichen Durchführung, wohl aber an der Vorbereitung beteiligt gewesen - und habe die Taten voll unterstützt.

"Auf jeden Fall war es aber so, dass sie von diesen Aktionen wusste und auch voll dahinterstand", zitierte Götzl aus B.s Aussagen. Konkret war es dabei unter anderem um das Aufhängen eines Puppentorsos mit Davidstern und der Aufschrift "Jude" an einer Autobahnbrücke gegangen.

Auch André K. belastet

Das Gericht befragte auch zwei Vernehmungsbeamte des BKA. Sie schilderten vor Gericht, wie kooperativ sich B. bei den Befragungen verhalten habe. Demnach gab er beispielsweise auch an, dass der im Münchner Prozess mitangeklagte Thüringer Rechtsextremist André E. ebenfalls engen Kontakt zu Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt gehalten haben müsse. Zudem sprach B. stets von "den dreien", machte also keine Unterschiede zwischen Zschäpe und den beiden Männern.

B. hatte Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt nach deren Untertauchen 1998 eine Zeitlang in seiner Wohnung Unterschlupf gewährt. Auch später hielt er Kontakt zu den drei mutmaßlichen Mitgliedern des NSU.

gam/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
muri321 25.03.2014
1. Die spitze des Eisberges
Ist das jetzt nur was wir hören und sehen. Der ganze Sumpf ist noch vieler schlimmer. Der ganze Beamten Sumpf aus BKA und LKA mit ihren dubiosen v Männern und verschwundenen Akten
fritze28 25.03.2014
2. grausam
zitierungen aus Akten weil man sonst nichts hat. die frage ist ob der mensch nicht auch V-mann war. berichten sie vorurteilsfrei und objektiv. dann werden sie feststellen, daß der deutsche Staat mit seinen geheimdiensten mit verantwortlich ist und alle "Führer" für den Staat gearbeitet haben. Die Politik ist das Problem, dort sollten Anklagen laufen.
brille000 26.03.2014
3. Das ist nur der eine Teil
Im gesamten Prozessverlauf vermisse ich Reaktionen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft hinsichtlich der Rolle von Verfassungsschutz und BKA. Dieser Haufen Mist aus Beamten, die sich an nichts mehr erinnern können und sogenannten V-Leuten (diese Art bundesrepublikanischer IM), die von staatlichen Stellen auch noch finanziert wurden, diesen Haufen sollte man mal etwas unter die Lupe nehmen. Da wurden Akten vernichtet um Rückschlüsse zur Rolle dieser "Dienste" zu verhindern. Eine solche schon als planmässig zu bezeichnende Vorgehensweise zeugt doch davon, dass es sich hierbei möglicherweise schon um organisiertes Verbrechen handeln könnte.
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