Zeuge im NSU-Prozess: Zschäpe wollte offenbar aussagen

Angeklagte Zschäpe, Verteidiger Heer (l.) und Stahl: "Sehr, sehr unzufrieden" Zur Großansicht
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Angeklagte Zschäpe, Verteidiger Heer (l.) und Stahl: "Sehr, sehr unzufrieden"

Im Münchner NSU-Prozess ist ein Polizist als Zeuge gehört worden. Der Ermittler hatte während einer Autofahrt mit Beate Zschäpe geplaudert. Dabei soll die mutmaßliche Rechtsterroristin über ihre Verteidiger gelästert haben: Sie hätten ihr zudem von einer Aussage abgeraten.

München - Auf Anraten ihrer Anwälte soll Beate Zschäpe den ursprünglichen Plan, eine Aussage zu machen, verworfen haben. Das habe die Hauptangeklagte im Münchner NSU-Prozess während eines Gefangenentransports erzählt, berichtete ein Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) vor dem Oberlandesgericht München. "Ja, sie wollte das eigentlich, insbesondere als es ihrer Großmutter schlechtging, um sich bei ihrer Großmutter zu entschuldigen", sagte der Ermittler. Zschäpe habe aber gesagt, ihr Anwalt rate davon ab.

Laut dem Zeugen sagte die Angeklagte, wenn sie aussage, dann vollständig und umfassend. "Sie sei niemand, der nicht zu ihren Taten steht", gab der Beamte Zschäpes Worte wieder. Der Polizist hatte Zschäpe im Juni 2012 auf einem Transport nach Jena begleitet, damit sie dort ihre Mutter und ihre Großmutter sehen konnte.

Zschäpe wird Mittäterschaft an allen Terroranschlägen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" vorgeworfen, darunter zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge. Vor Gericht hat sie sich bislang nicht geäußert. Auf den jeweils vier Stunden langen Fahrten nach Jena und zurück kam sie jedoch mit den Beamten ins Plaudern. "Das lief alles in einer freundlichen Atmosphäre ab", sagte der Ermittler. "Die Zeit verging wie im Flug."

"Paranoides Verhalten"

Zschäpe habe sich "sehr, sehr unzufrieden" über ihren Verteidiger Wolfgang Heer geäußert, so der BKA-Beamte. "Er macht ja eigentlich sehr wenig", habe sie gesagt. Außerdem lese sie ständig irgendwelche Dinge aus den Akten in der Presse. Ihr Anwalt habe ihr aber gesagt, dass er nichts an die Presse gegeben hätte. Über den zweiten Verteidiger Wolfgang Stahl habe sie gesagt, "der hätte immer die gleiche Meinung wie Herr Heer, und darum sei sie ganz froh, sich mal mit uns zu unterhalten".

Sie sei misstrauisch geworden, habe Zschäpe über sich gesagt. "Alle um sie herum wollen irgendwas von ihr - entweder in die Presse oder Geld verdienen oder Ermittlungsansätze. Sie habe da schon ein paranoides Verhalten", gab der Ermittler die Äußerungen wieder.

Zschäpes Verteidiger Stahl fragte den Zeugen, ob das Gespräch dazu dienen sollte, gezielt in das Vertrauensverhältnis zwischen Mandantin und Verteidigung einzugreifen. "Das Vertrauensverhältnis hat zu diesem Zeitpunkt nicht bestanden, das hat Frau Zschäpe klar zum Ausdruck gebracht", antwortete der BKA-Mann.

wit/dpa

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1. aha,
ambulans 03.07.2013
jetzt will also auch noch das bka zu einem "verfahrensbeteiligten" (s. aussage des o.a. beamten bzgl. vertrauensverhältnis verteidiger/angeklagte) "von eigenen gnaden" aufsteigen? wie krank ist diese veranstaltung da unten in münchen eigentlich?
2. Zeuge
deckergs 03.07.2013
Zitat von ambulansjetzt will also auch noch das bka zu einem "verfahrensbeteiligten" (s. aussage des o.a. beamten bzgl. vertrauensverhältnis verteidiger/angeklagte) "von eigenen gnaden" aufsteigen? wie krank ist diese veranstaltung da unten in münchen eigentlich?
Ein Zeuge dient der Aufklärung des Sachverhaltes und trägt damit wesentlich zur Wahrheitsfindung bei. Warum ist diese Veranstaltung "krank"?
3.
damtschweli 03.07.2013
Ich möchte gern mal wissen, was dieser Zeuge zur Sachverhaltsaufklärung beitragen soll? Daß sie angedeutet hat, daß sie unter anderen Umständen vielleicht gesungen hätte wie ein Vögelchen, tut doch nichts zur Sache. Nur wenn sie auf der Fahrt schließlich gesungen hätte, was aber nicht der Fall war, hätte die Aussage des Zeugen über tatrelevante Angaben der Transportinsassin einen Wert für das Verfahren. Dann wäre allerdings zu prüfen, unter welchen Umständen diese zustandekamen. Druck? Täuschung? Ist aber nicht, weil sie eben nicht gesungen hat. Also - was soll das alles? Hier wird Steuergeld mit vollen Händen zum Fenster rausgekübelt.
4.
damtschweli 03.07.2013
Zitat von deckergsEin Zeuge dient der Aufklärung des Sachverhaltes und trägt damit wesentlich zur Wahrheitsfindung bei. Warum ist diese Veranstaltung "krank"?
Wie dient er der Sachverhaltsaufklärung? Bestimmt nicht, indem er die schließlich fehlgeschlagenen Versuche schildert, Zschäpe auf dem Transport in eine Vertrauenskrise hinsichtlich ihrer Verteidigung zu stürzen, auf daß sie sich dann alles von der Seele heule. Denn: Sie hat es nicht getan. Daß sie über ihre Verteidiger "lästerte", ist für den Prozeß doch sowas von egal.
5. wie nennt es sich,
ambulans 03.07.2013
wenn ein bka-zeuge (hilfsperson der anklage) im prozess - möglicherweise - versuchen sollte/wollte, das vertrauensverhältnis zw. angeklagter und ihrem verteidiger (so) zu beschädigen, dass - wg. vertrauensverlust - das mandat entzogen wird, daher dann also ein neuer verteidiger (incl. einarbeitungszeit, usw.) gefunden werden muss? stichwort/e bitte! vielleicht: verfahrenssabotage (wg. der wahlen im herbst?) mfg
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