NSU-Terror: Neonazi-Morde - Fahnder waren Verdächtigen auf der Spur

Die Ermittler waren den Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt dichter auf den Fersen als bisher bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen wurde an den Tatorten immer wieder ein verdächtiges Radfahrer-Duo gesichtet. Hat die Soko "Bosporus" wichtige Zeugenhinweise vernachlässigt?

Tatort im Münchner Vorort Ramersdorf (Archivbild, 2001): Verdächtige Radfahrer gesichtetZur Großansicht
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Tatort im Münchner Vorort Ramersdorf (Archivbild, 2001): Verdächtige Radfahrer gesichtet

Hamburg - Es war eine der mysteriösesten Mordserien Deutschlands: Neun Männer, meist Kleinunternehmer, wurden regelrecht hingerichtet - nach gleichem Muster, in Nürnberg, Hamburg, München, Rostock, Dortmund und Kassel. Am helllichten Tag, an belebten Straßen und immer durch Schüsse in den Kopf. Acht Deutschtürken und ein Grieche starben. Erschossen mit einer Ceska, Typ 83, Kaliber 7,65 Millimeter.

Jetzt wird nach SPIEGEL-Informationen bekannt: Bayerische Ermittler waren den Terroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) offenbar dichter auf der Spur als bisher bekannt. Den Fahndern war bereits früh ein außergewöhnliches Muster im Verhalten der Täter aufgefallen: In vier von neun Mordfällen der sogenannten Ceska-Serie hatten Zeugen jeweils zwei Männer auf Fahrrädern beobachtet.

Das geht aus einem vertraulichen Bericht der Sonderkommission "Bosporus" hervor. Demnach passen die detaillierten Personenbeschreibungen teilweise exakt auf die NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die im November nach einem Banküberfall in Eisenach erschossen aufgefunden wurden.

Das verdächtige Radfahrer-Duo war dem Ermittlungsbericht zufolge zuerst im September 2000 gesichtet worden, als in Nürnberg ein türkischer Blumenhändler ermordet wurde. Dann tauchte es 2001 in München, 2005 erneut in Nürnberg und 2006 in Dortmund an Tatorten auf.

Verbindung zu Kölner Sprengstoffanschlag wurde untersucht

Überdies hatte die bayerische Polizei eine mögliche Verbindung der Mordserie mit einem Sprengstoffanschlag des NSU in Köln untersucht, bei dem im Juni 2004 22 Menschen teils lebensgefährlich verletzt wurden: Auch hier waren zwei Männer mit Mountainbikes gesehen - und sogar von einer Videokamera gefilmt worden. Die Ermittler zeigten einer Zeugin des dritten Nürnberger Mordes die Aufnahmen. Die Frau erkannte Ähnlichkeiten zwischen den Radfahrern.

In ihrem Bericht fasste die Soko "Bosporus" im Mai 2008 zusammen: Aufgrund der "Opferauswahl (Türken)" und "der Verwendung von Fahrrädern" könne "ein Zusammenhang nicht ausgeschlossen werden".

Sogar im Fall der 2007 in Heilbronn ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter gab es Hinweise auf verdächtige Radler: Gleisarbeiter der Bahn hatten damals zwei Mountainbike-Fahrer beobachtet, die in unmittelbarer Nähe des Tatorts miteinander diskutierten. Wenig später seien Schüsse gefallen. Warum der Radfahrer-Spur letztlich keine größere Bedeutung beigemessen wurde, ist unklar.

Ein weiteres potentielles Opfer des braunen Terrorkommandos war offenbar der CSU-Politiker Hans-Peter Uhl. Durch einen Anruf des Bundeskriminalamts erfuhr der Bundestagsabgeordnete nach dem Tod der Terroristen, dass Mundlos und Böhnhardt ihn offenbar bereits ausgespäht hatten. "Sehr gute Lage, Zugang im Garten", hatten sie auf einer Liste notiert. Uhls Wahlkreisbüro gehört zu einer Reihe von Adressen von Prominenten, Vereinen und Politikern, die Ermittler am Wohnsitz der Terrortruppe in der Zwickauer Frühlingsstraße fanden und die sie für eine mögliche Todesliste halten.

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insgesamt 39 Beiträge
4711_please 14.04.2012
Soso, Bosperus in Nürnberg hatte richtigerweise die Kopie eines Londoner Blood-and-Honor-Nagelbombenattentats in der Kölner Keupstraße sehr wohl in den richtigen Zusammenhängen gesehen, worum wurden dann so schnell die [...]
Zitat von sysopDie Ermittler waren den Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt dichter auf den Fersen als bisher bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen wurde an den Tatorten immer wieder ein verdächtiges Radfahrer-Duo gesichtet. Hat die Soko "Bosporus" wichtige Zeugenhinweise vernachlässigt? NSU-Terror: Neonazi-Morde - Fahnder waren Verdächtigen auf der Spur - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,827562,00.html)
Soso, Bosperus in Nürnberg hatte richtigerweise die Kopie eines Londoner Blood-and-Honor-Nagelbombenattentats in der Kölner Keupstraße sehr wohl in den richtigen Zusammenhängen gesehen, worum wurden dann so schnell die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei eingestellt? Muss man nicht die Verbindung der NSU nach NRW hier suchen?
hubertrudnick1 14.04.2012
Tolle Erfoge erreichen die Polizisten doch nur in den Kriminalfilmen, die Realität sieht ganz anders aus. HR
Zitat von tombearDie Ermittlungsbehörden haben mehr gewusst als sie bisher zugeben. Die Morde waren allesamt Auftragsmorde, denn woher sollen die beiden Täter die ermordeten Männer gekannt haben. Zufällig war das bestimmt nicht. Die Frage ist also, wer hat die Morde der beiden Täter bei Ihnen oder einem Mittelsmann oder -frau in Auftrag gegeben ? Was wußte der BND über diese Auftragsmorde ? Die beiden Täter haben auch sich bestimmt nicht gegenseitig erschossen, also wer hat den Mord an den beiden in Auftrag gegeben ? Das Ganze stinkt derart zum Himmel, dass ich glaube, dass da mehr im Gang war als bisher bekannt ist und irgendeine Bundesbehörde mit drin steckt.
Tolle Erfoge erreichen die Polizisten doch nur in den Kriminalfilmen, die Realität sieht ganz anders aus. HR
wutbürger21 14.04.2012
Allein die Namensgebung als Soko "Bosporus" erscheint zumindest taktlos, wenn man den rassistischen Hintergrund berücksichtigt. Einerseits kann darin der Hinweis auf die gemeinsame Nationalität der Opfer gesehen werden. [...]
Allein die Namensgebung als Soko "Bosporus" erscheint zumindest taktlos, wenn man den rassistischen Hintergrund berücksichtigt. Einerseits kann darin der Hinweis auf die gemeinsame Nationalität der Opfer gesehen werden. Andererseits kommt m.E. wenig Wertschätzung zum Ausdruck, indem der Name albern klingt !Ein Fehlgriff,der sich laut der Spiegel Artikel auch in der Ermittlungsarbeit fortsetzte...
HakkiCavus 14.04.2012
Die tatsächliche Wahrheit werden wir niemals erfahren. Keiner soll erzählen, dass es ein Zufall war, dass ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, also des deutschen Staates selbst, bei der rassistischen Ermordung des Opfers [...]
Zitat von sysopDie Ermittler waren den Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt dichter auf den Fersen als bisher bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen wurde an den Tatorten immer wieder ein verdächtiges Radfahrer-Duo gesichtet. Hat die Soko "Bosporus" wichtige Zeugenhinweise vernachlässigt? NSU-Terror: Neonazi-Morde - Fahnder waren Verdächtigen auf der Spur - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,827562,00.html)
Die tatsächliche Wahrheit werden wir niemals erfahren. Keiner soll erzählen, dass es ein Zufall war, dass ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, also des deutschen Staates selbst, bei der rassistischen Ermordung des Opfers Halit Yozgat sich am Tatort befand. Er war zur gleichen Zeit im selben Internet-Cafe, in den Räumlichkeiten, in dem sich sowohl Halit Yozgat als auch die beiden rassistischen Mörder befunden haben. Solange hier nicht klar und nachvollziehbar aufgeklärt wird, solange wird der deutsche Staat selbst als Verdächtiger der Morde in Frage kommen. Zufälle gibt es nicht. Nur die Illusion des Zufalls.
schwarzes_lamm 14.04.2012
Der Fall dürfte wohl noch einige Tretminen zutage fördern.
Zitat von sysopDie Ermittler waren den Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt dichter auf den Fersen als bisher bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen wurde an den Tatorten immer wieder ein verdächtiges Radfahrer-Duo gesichtet. Hat die Soko "Bosporus" wichtige Zeugenhinweise vernachlässigt? NSU-Terror: Neonazi-Morde - Fahnder waren Verdächtigen auf der Spur - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,827562,00.html)
Der Fall dürfte wohl noch einige Tretminen zutage fördern.
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  • Samstag, 14.04.2012 – 18:18 Uhr
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  • Kommentieren | 39 Kommentare

Neonazi-Mordserie
Das erste Opfer war der Blumenhändler Enver S., 38, aus dem hessischen Schlüchtern. Er stand mit seinem Verkaufswagen am Vormittag des 9. September 2000 an einer Ausfallstraße in Nürnberg-Langwasser. S. vertrat einen Kollegen, der an diesem Tag Urlaub genommen hatte. Am Nachmittag fand man S. im Transporter, von Kugeln durchsiebt.





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