Cash aus dem Untergrund: NSU verschickte Geldbriefe an rechtsextreme Organisationen

Von Maik Baumgärtner und

Propaganda aus dem Untergrund: Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe haben aus ihrem Versteck offenbar Briefe an rechtsextreme Organisationen und Szene-Zeitschriften verschickt. Inhalt: Spenden für die Gesinnungsgenossen, von denen man sich wohl Unterstützung erhoffte.

NSU-Geldbrief: Die Schreiben dienten der Anwerbung und Unterstützung von Kameraden Zur Großansicht

NSU-Geldbrief: Die Schreiben dienten der Anwerbung und Unterstützung von Kameraden

Die Pamphlete steckten in braunen DIN-A-4-Umschlägen. Auf der Vorderseite das von Fackelschein erhellte, grafittiartige Logo des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), auf der Rückseite gut 40 Zeilen Nazi-Propaganda: Der NSU verkörpere "die neue politische Kraft im Ringen um die Freiheit der deutschen Nation".

Das obskure Schreiben, offenbar im Frühjahr 2002 verfasst, gab den Ermittlern Rätsel auf: Welchem Zweck diente es? Wussten die Adressaten um die Existenz der streng abgeschotteten Terrorzelle?

Lange sah es so aus, als ob lediglich ein Exemplar des mysteriösen "NSU-Briefs" verschickt wurde. Im Mai durchsuchten Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) die Wohnung des Schweriner NPD-Landtagsabgeordneten David Petereit und fanden das Schreiben. In seiner Vernehmung behauptete Petereit, der früher eine rechte Postille namens "Der Weiße Wolf" herausgeben hatte, sich nicht an den Brief erinnern zu können. Auch von der Existenz der Terrorzelle habe er nichts geahnt - obwohl im Jahr 2002 im "Weißen Wolf" ein Gruß an den NSU ("Der Kampf geht weiter...") erschienen war.

Doch Petereit war offenbar nicht der einzige Empfänger. Nach BKA-Erkenntnissen verschickten die Terroristen mutmaßlich eine ganze Reihe dieser Briefe: Im Schutt des letzten NSU-Verstecks in Zwickau fand sich eine Liste mit insgesamt zehn Adressen rechtsextremer Organisationen und Zeitschriften, die offenbar ebenfalls Schreiben erhalten sollten. Darunter das "Deutsche Rechtsbüro", die "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene" und die Publikationen "Foiersturm", "Nation & Europa", "Nordische Zeitung" und "Landser".

"Keiner wusste, wer das war"

In einer konzertierten Aktion ließ die Bundesanwaltschaft am 4. September die Wohnungen mehrerer potentieller Adressaten durchsuchen - weitere Exemplare des NSU-Briefs fanden sich jedoch nicht. Gleichwohl konnte sich Torsten W., einst Herausgeber der rechtsextremen Zeitschrift "Fahnenträger", gut an den Erhalt des Schreibens erinnern: In dem Umschlag hätten sich 500 Euro in bar befunden, "im Freundeskreis" habe man sich "Gedanken darüber gemacht, wer so viel Geld spenden" könne. Vom NSU aber hätten weder W. noch die Kameraden, denen er den Brief gezeigt habe, je etwas gehört. "Keiner wusste, wer das war."

Der Versand des Geldes, das möglicherweise aus Raubüberfällen des NSU stammte, war den Verfassungsschutzbehörden seinerzeit offenbar verborgen geblieben - obwohl mehrere Empfänger damals unter Beobachtung standen.

Die "Schreiben des NSU", so das Fazit des BKA, dienten "offensichtlich der Anwerbung und Unterstützung von Kameraden", die aus Sicht der Verfasser "geeignet erscheinen, den Kampf des NSU in geeigneter Form zu unterstützen oder in gleicher Weise aus dem Untergrund heraus zu ergänzen oder fortzuführen".

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1. " In dem Umschlag hätten sich 500 Euro in bar befunden,"
bold_ 16.11.2012
Nehmen wir mal an, es war nur ein Schein, der zudem gut versteckt war. In der sowjetischen Besatzungszone wurde jeder Brief kontrolliert...
2. Verfolgungswahn ?
leser008 16.11.2012
Vielleicht handelte es sich einfach um allgemeine Unterstützung. Diese Zeitungen kruschtern doch teils finanziell wohl auf Schülerzeitungsniveau rum. Da sind 500 E. einiges Geld. Und um die 500er Stückelung aus den Überfällen nicht selbst auszugeben, haben sies halt verschickt. Man muss nicht gleich immer diese "die streben nach der Weltherrschaft" Ideen pushen. Verfolgungswahn kann auch heissen, dass die V-Behörde immer irgendwen verfolgen muss.
3. Unsere tägliche Märchenstunde
pseudo nym 16.11.2012
Zitat: "Der Versand des Geldes, das möglicherweise aus Raubüberfällen des NSU stammte, war den Verfassungsschutzbehörden seinerzeit offenbar verborgen geblieben - obwohl mehrere Empfänger damals unter Beobachtung standen." Wer glaubt denn noch solche Texte? Warum wird sowas überhaupt noch geschrieben? Warum schreibt nicht mal einer, wer oder was wirklich hinter dem ganzen Kasperltheater steckt? Warum wohl nicht?
4.
sensenstiel 16.11.2012
Zitat von bold_Nehmen wir mal an, es war nur ein Schein, der zudem gut versteckt war. In der sowjetischen Besatzungszone wurde jeder Brief kontrolliert...
da hat jemand die Wiedervereinigung verschlafen. 2002 waren die blühenden Landschaften von Kohl schon verdorrt und die Täterä nur noch Ostalgie
5.
Wildes Herz 16.11.2012
Zitat von pseudo nymZitat: "Der Versand des Geldes, das möglicherweise aus Raubüberfällen des NSU stammte, war den Verfassungsschutzbehörden seinerzeit offenbar verborgen geblieben - obwohl mehrere Empfänger damals unter Beobachtung standen." Wer glaubt denn noch solche Texte? Warum wird sowas überhaupt noch geschrieben? Warum schreibt nicht mal einer, wer oder was wirklich hinter dem ganzen Kasperltheater steckt? Warum wohl nicht?
Hm... warum verraten SIE es uns nicht, wenn Sie es doch offenbar besser wissen als Polizei, Presse & Millionen Zeitungsleser zusammen?! BTW: Es werden doch im Text mindestens zwei Empfänger dieses Spendenbriefes genannt. Davon wird einer mit einer eindeutigen Zeugenaussage zitiert. Welche konkreten Belege haben Sie für Ihre Behauptung, dies stimme nicht??
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