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"Nationalsozialistischer Untergrund der NSDAP": Ominöse Nazi-CD in Sachsen aufgetaucht

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DER SPIEGEL

CD-Cover "NSU/NSDAP": Ungereimtheiten und Versäumnisse

Bei Ermittlungen gegen Chemnitzer Neonazis sind Fahnder auf einen weiteren Datenträger gestoßen, der Propagandamaterial einer Gruppe namens "NSU/NSDAP" enthält. Der Fund könnte sich als brisant erweisen.

Chemnitz/Berlin - Ein Ordner mit dem Namen "nscd" gibt Fahndern Rätsel auf. Er enthält Tausende Dateien mit rechtsextremem Bildmaterial, und er ist auf einer CD, die offenbar von einer Gruppe namens Nationalsozialistischer Untergrund der NSDAP (NSU/NSDAP) zusammengestellt wurde. Das Konvolut, so heißt es in einem Begleittext, sei "die erste umfangreiche Bilddaten-CD" dieser Gruppierung.

Datenträger mit dem Titel "NSU/NSDAP" wurden wohl seit 2005 in der rechten Szene verbreitet, lange bevor die gleichnamige Terrorzelle NSU aufflog, die für zehn Morde und mehrere Sprengstoffanschläge verantwortlich gemacht wird.

Noch keine Belege für Verbindung zu Rechtsterroristen

Seit Monaten versuchen Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) zu klären, wer hinter der braunen Datensammlung steckt - und ob deren Urheber etwas mit der Terrorzelle zu tun haben. Trotz umfangreicher Ermittlungen, so heißt es in Sicherheitskreisen, seien noch keine Belege für eine Verbindung zwischen NSU/NSDAP und NSU gefunden worden.

Ein Fund in Sachsen könnte neue Indizien liefern: Wie erst jetzt durch eine Kleine Anfrage der sächsischen Linksfraktion bekannt wurde, waren Fahnder bereits Ende März auf eine weitere CD mit dem ominösen Propagandaordner gestoßen - bei Ermittlungen gegen die inzwischen verbotene Organisation Nationale Sozialisten Chemnitz (NSC).

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE fand sich der Datenträger bei einer Durchsuchung bei Maik A., der laut Verbotsverfügung zum Führungskreis der NSC gehörte und eine "wichtige organisatorische Funktion innerhalb der Gruppe" wahrgenommen habe.

"Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus"

Maik A., 31, war indes nicht nur in Sachsen aktiv. 2007 etwa beteiligte er sich in Brandenburg an einer Veranstaltung, auf der auch der Bruder des im Münchner NSU-Verfahren angeklagten André E. als Redner auftrat. Damals registrierten die vor Ort eingesetzten Beamten zudem ein von André E. genutztes Fahrzeug.

Und auch weitere Mitglieder aus dem harten Kern der Gruppe NSC, denen die Behörden eine "Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus" und ein "Bekenntnis zu führenden Funktionären der NSDAP" attestierten, hatten laut Ermittlungsakten in der Vergangenheit Kontakte ins Umfeld der mutmaßlichen NSU-Unterstützer.

Der CD-Fund in Sachsen könnte sich somit als brisant erwiesen: Eine erste Kopie der Propagandasammlung des NSU/NSDAP hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) schon 2005 erhalten, sechs Jahre vor der Selbstenttarnung der Terrorzelle NSU.

Doch offenbar hielt es beim BfV jahrelang niemand für nötig, sich mit der darin erwähnten Gruppe näher zu befassen. Die Behörde hatte die CD wohl vom V-Mann "Corelli" erhalten, der behauptete, sie per Post erhalten zu haben. "Corelli" konnte nicht mehr eingehend dazu befragt werden: In diesem Frühjahr starb er an den Folgen einer Diabetes-Erkrankung.

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