Datenauswertung Die ungelösten Rätsel des NSU

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3. Teil: Kassenstand


Während beim Zeitablauf der bekannten Morde und Bombenanschläge des NSU kein Muster ins Auge springt, ist das bei den 15 Raubüberfällen anders. Offenbar zogen die Männer los, wenn das Geld knapp wurde.

2004: Uwe Mundlos in der Chemnitzer Sparkasse
Polizei

2004: Uwe Mundlos in der Chemnitzer Sparkasse

In der folgenden Grafik wurde unterstellt, dass der NSU anfangs mit 1900 Euro monatlich auskam. Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos wohnten beengt und sparten Geld, wo es nur ging. Geht man davon aus, dass der Bedarf jedes Jahr um sieben Prozent stieg, so ergibt sich das charakteristische Sägezahnmuster der Grafik. Dieses Muster erkannte schließlich ein Polizist und brachte den NSU unter anderem aufgrund dieser Erkenntnis zur Strecke.

Auch diese Betrachtung kann als Indiz dafür gewertet werden, dass die NSU-Männer sich nur sporadisch in der Frühlingsstraße aufhielten. Vor den letzten beiden Raubüberfällen waren noch etwa 25.000 Euro in der Haushaltskasse, wie sich aus der Beute von 2011 und dem gefundenen Geld rückrechnen lässt.

Die Beute des letzten Überfalls, gefunden im Wohnmobil

Die Beute des letzten Überfalls, gefunden im Wohnmobil

Wäre der Ausgabenzuwachs bis zum Ende halbwegs gleichmäßig weiterverlaufen, dann hätten im Sommer 2011 noch rund 150.000 Euro vorhanden sein müssen. Warum also nach der vierjährigen Pause wieder einen riskanten Raub begehen? Vielleicht deshalb, weil mittlerweile zwei Haushalte zu finanzieren waren. Welche Auswirkungen das auf den Kassenstand gehabt hätte, ist im Diagramm in rot dargestellt.

Seit 2013 wird immer wieder behauptet, in der ausgebrannten Wohnung seien 190.315 Euro Bargeld gefunden worden. Das würde die These von der kurzfristigen Geldbeschaffung nach Kassenlage natürlich widerlegen. Verfolgt man allerdings die Behauptung von dem angeblichen Fund zurück zum Ursprung, so stößt man auf den Bericht des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag. Auf Seite 919 wird als Quelle die Asservatenliste der Wohnung genannt. Dort wiederum finden sich tatsächlich Banknoten, jedoch nur im Wert von 1315 Euro. Außerdem wurden Banderolen zu Banknoten im Wert von 189.000 Euro gefunden, nicht aber das zugehörige Geld.

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