Obduktionsergebnis "Gorch Fock"-Kadettin ist ertrunken

Hohe Wellen, finstere Nacht, Fahrt unter vollen Segeln: Nur einen Tag vor ihrem 19. Geburtstag stürzte die Kadettin Jenny B. unter ungeklärten Umständen vom Deck der "Gorch Fock". Nun wurde die Leiche der Soldatin geborgen. Die Obduktion ergab: Sie ist ertrunken.

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Hamburg - Durchpflügt man das Internet mit dem vollständigen Namen der Seekadettin Jenny B., stößt man schnell auf eine Seite, die betroffener kaum machen könnte. Es ist bloß ein kurzer Eintrag, den die 18-Jährige hinterlassen hat, doch selbst die wenigen Zeilen erzählen von einer heiteren, unbekümmerten, "recht ordentlichen" jungen Frau, die "das Leben genießen" wollte und sich als "Typ zum Pferde stehlen" beschrieb. "Das Leben ist zu kurz, um langsame Musik zu hören", verkündete sie übermütig.

Kadettin Jenny B.: Tod durch Ertrinken, keine Anzeichen auf Fremdeinwirkung
DPA

Kadettin Jenny B.: Tod durch Ertrinken, keine Anzeichen auf Fremdeinwirkung

Eineinhalb Wochen ist es inzwischen her, dass die Offiziersanwärterin aus dem nordrhein-westfälischen Geilenkirchen vom Deck des Segelschulschiffs "Gorch Fock" in die 17 Grad kalte Nordsee stürzte und starb. Noch immer sind die genauen Umstände ihres Todes ungeklärt, doch zumindest hat ein Fischereiaufsichtsboot nun die Leiche der Frau entdeckt, die in der Nacht zum 4. September, einen Tag vor ihrem 19. Geburtstag, bei stürmischen Wetter nördlich Nordeneys über Bord gegangen war.

65 Seemeilen nordwestlich von Helgoland fanden die Fischerei-Kontrolleure den Körper der Soldatin, am Montagabend zwischen 18 und 19 Uhr, er trieb auf dem Wasser, wie der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick SPIEGEL ONLINE sagte. Die Leiche sei zunächst nach Büsum und von dort aus in die Gerichtsmedizin nach Kiel gebracht worden. "Die Obduktion ist vor 20 Minuten zu Ende gegangen. Dem vorläufigen Ergebnis unserer erfahrenen Pathologen nach ist die junge Frau ertrunken. Es gibt keine Anzeichen für Fremdeinwirkung."

Die Ermittlungen befänden sich dennoch weiterhin im sogenannten "Vorprüfungsverfahren", man wolle also herausfinden, ob der Verdacht einer Straftat bestehe. Dazu würden nun die Aussagen der 40 bis 50 Besatzungsmitglieder ausgewertet, die sich zum Unglückszeitpunkt an Deck befunden hätten, so Wick. Ein Ermittlungsverfahren sei noch nicht eingeleitet worden. "Wir führen das Ereignis bislang als 'Seeunfall Gorch Fock'", sagte Wick.

Bereits kurz nach dem Ereignis hatte ein Marinesprecher SPIEGEL ONLINE gesagt, es gebe "keinen Zeugen, der den Fall ins Wasser gesehen hat, aber ein Soldat hat einen Schatten bemerkt." Dieser habe Alarm gegeben.

Jennys Eltern hatten ursprünglich für Dienstag erstmals einige Journalisten zu einem Gespräch eingeladen. Sie sagten jedoch ab, nachdem sie die Nachricht erhielten, dass die Leiche ihrer Tochter geborgen sei. "Die Eltern möchten das Pressegespräch nicht mehr machen. Sie müssen das erst verkraften", sagte ein Marineoffizier, der in den langen Tagen des Wartens nach eigenen Angaben sehr engen und persönlichen Kontakt zu dem Lehrer-Ehepaar hielt.

"Wir hoffen alle auf ein Wunder"

Aus einer für das Gespräch vorbereiteten und veröffentlichten schriftlichen Erklärung des Vaters wurde deutlich, dass die Eltern bis zuletzt gehofft hatten, ihre Tochter lebend wiederzusehen. "Wir hoffen alle auf ein Wunder, dass Jenny von irgendeinem Schiff aufgenommen worden ist und vielleicht ohne Erinnerung oder sogar ohne Bewusstsein irgendwo gepflegt wird", hieß es.

Die Bundeswehr hatte die Suche nach der Marinesoldatin Mitte vergangener Woche eingestellt. An der Aktion waren Schiffe, Flugzeuge und Hubschrauber der Bundeswehr, Boote und Hubschrauber der Bundespolizei, der Landespolizei Niedersachsens und der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger beteiligt.

Die "Gorch Fock" hat ihre 148. Auslandsausbildungsreise inzwischen fortgesetzt. Sie befindet sich mittlerweile nördlich der britischen Inseln und wird am 24. September Dublin erreichen, wie ein Marinesprecher SPIEGEL ONLINE sagte. Parallel zur Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei habe auch eine Spezialabteilung des Marineamts Ermittlungen aufgenommen. "Diese dauern noch an", hieß es.

mit Material von dpa

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