Kidnapping von Industriellensohn Zeugin erkannte Stimme des mutmaßlichen Würth-Entführers

Im Sommer 2015 ist der Milliardärssohn Markus Würth entführt worden, rund zweieinhalb Jahre später fassten die Ermittler einen Verdächtigen. Eine Tonbandaufnahme führte zum mutmaßlichen Täter.

Daniel Muth und Thomas Hauburger
DPA

Daniel Muth und Thomas Hauburger


Der mutmaßliche Entführer von Milliardärssohn Markus Würth schweigt zum Tatvorwurf. Der 48-Jährige habe sich nach seiner Festnahme wortreich eingelassen, aber nicht zur Entführung geäußert, sagte Daniel Muth von der Kriminaldirektion Osthessen: "Er hat zehn Stunden dauergequatscht."

Eine Zeugin habe der Polizei den entscheidenden Hinweis für die Verhaftung geliefert, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, Thomas Hauburger. Sie hätte die Stimme des Tatverdächtigen wiedererkannt und die Ermittler im Januar 2018 gut zweieinhalb Jahre nach der Tat informiert.

Die Polizei hatte zur Fahndung den Mitschnitt eines Anrufs des Lösegeld-Erpressers genutzt. Hauburger sagte, die Frau habe im Januar ein Fahndungsplakat der Polizei zu dem Fall gesehen und "aus Langweile die Nummer" der Hotline mit dem Mitschnitt gewählt. Die Stimme habe sie an einen Mann erinnert, der zuvor Handwerkerarbeiten in ihrem Haushalt erledigt hatte.

Der 48-jährige Serbe sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft - wegen des dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubes. Spezialeinheiten der Polizei hatten ihn in seiner Wohnung in Offenbach festgenommen. Sprachexperten waren Hauburger zufolge während einer wochenlangen Überwachung des Mannes zu der Erkenntnis gelangt, dass es sich "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" um den Anrufer handele.

Der Mann soll im Juni 2015 den behinderten Sohn des baden-württembergischen Schrauben-Milliardärs Reinhold Würth im osthessischen Schlitz entführt haben. Der damals 50-Jährige lebte dort in einer integrativen Wohngemeinschaft.

Einen Tag später wurde der Würth-Sohn in einem Wald bei Würzburg an einen Baum gekettet gefunden. Er überstand die Entführung unversehrt, zu einer Lösegeld-Übergabe war es nicht gekommen.

In dem Fall gab es nach 2015 noch einen weiteren Erpressungsversuch. Im April 2017 sei per E-Mail ein weiterer Kontakt zur Familie Würth gesucht worden, teilten die Ermittler mit. Es seien 70 Millionen Euro in Kryptowährung verlangt worden. Der Erpresser habe gedroht, erneut den Würth-Sohn zu entführen oder ein anderes Mitglied der Familie.

bbr/dpa

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