Entführungen in Ohio Opfer berichtet von mehreren Schwangerschaften

Jahrelang waren drei Frauen in Cleveland in Gefangenschaft. Eines der Opfer berichtet nun, sie sei mehrmals schwanger gewesen - ihr Kidnapper habe sie ausgehungert und geschlagen, bis sie Fehlgeburten erlitt.


Cleveland - Was die vor wenigen Tagen befreiten Frauen während ihrer jahrelangen Gefangenschaft aushalten mussten, ist kaum vorstellbar. Eines der Opfer, Michelle Knight, schilderte der Polizei nun grausige Details, wie CNN berichtet. Mindestens fünfmal sei sie schwanger gewesen. Sobald ihr Entführer das bemerkte, habe er sie wochenlang hungern lassen und ihr immer wieder in den Bauch geschlagen, bis sie irgendwann eine Fehlgeburt erlitt.

Der 52-jährige Ariel C. wird am Donnerstag vor Gericht erscheinen; ihm wird vorgeworfen, Michelle Knight, Amanda Berry und Gina DeJesus während ihrer jahrelangen Gefangenschaft vergewaltigt zu haben, sagte Staatsanwalt Victor Perez am Mittwoch in Cleveland, Ohio. Die Freiheitsberaubung von Berrys Tochter, die während der Gefangenschaft zur Welt kam, werde in der Anklage als vierter Entführungsfall behandelt. Per Vaterschaftstest soll geklärt werden, ob es C.'s Kind ist. Ariel C.'s Brüder, die mit ihm festgenommen worden waren, werden derzeit nicht beschuldigt.

Knight schilderte laut Medienberichten auch die Geburt von Berrys Tochter, bei der sie auf Geheiß des Entführers als Hebamme einspringen musste. Ariel C. drohte ihr demnach, sie umzubringen, falls das Baby nicht überleben sollte. Als das Neugeborene zu Atmen aufhörte, hätte sie es beatmet - bis die Kleine schließlich wieder selbst Luft holte.

"Es ist erstaunlich, dass dieses Mädchen, das nichts über Geburten wusste, in der Lage war, ein Baby zur Welt zu bringen, das nun eine gesunde Sechsjährige ist", zitiert CNN seine Quelle bei der Polizei.

Kuchen zur Feier der Entführung

Michelle Knight wurde 2002 entführt, als sie 20 Jahre alt war. Amanda Berry, die mit 17 gekidnappt wurde, verbrachte zehn Jahre eingekerkert in dem Haus in Cleveland. Für Gina DeJesus waren es neun Jahre Gegangenschaft. Sie war erst 14, als sie entführt wurde.

Laut einer Cousine von DeJesus brachte der Mann seinen Opfern zu den Jahrestagen ihrer Entführung Kuchen: "Er feierte das Kidnapping als ihren neuen Geburtstag", sagte sie der "New York Times".

Die Opfer berichteten, dass er sie zuerst im Keller des Hauses fesselte und ankettete. Später lebten sie dann im zweiten Stock des Hauses - die meiste Zeit voneinander getrennt. Nur zweimal während ihrer Leidenszeit durften die Frauen ganz kurz das Haus verlassen.

Berrys Tochter nahm der mutmaßliche Kidnapper allerdings öfter auf Ausflüge mit. "Sie sah gesund und glücklich aus, und man hatte das Gefühl, sie war gerne mit ihrem Opa unterwegs", schildert ein Verwandter von Ariel C. seine Begegnung mit dem Mädchen gegenüber der "New York Times".

Von seinen Nachbarn wurde Ariel C. als freundlicher Schulbusfahrer und Musiker beschrieben. Allerdings gaben manche auch an, die Polizei mehrmals auf eigenartige Vorgänge in dem Haus aufmerksam gemacht zu haben, wie Medien berichteten. Die Polizei von Cleveland wies die Vorwürfe zurück.

Ans Licht kam auch, dass eine inzwischen verstorbene Ex-Frau von Ariel C. 1997 eine Verfügung erwirkt hatte, dass er sich ihr und ihren Kindern nicht nähern durfte. Grimilda F., die mit Ariel C. vier Kinder hatte, hatte der Polizei 2005 gesagt, er hätte ihr die Nase sowie mehrere Rippen gebrochen, ihre Schulter ausgekugelt und ihr einen Zahn ausgeschlagen. Außerdem hätte er mehrmals gedroht, sie und eine Tochter umzubringen.

wbr

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