Krankenhausmorde in Oldenburg Ex-Staatsanwalt im Fall Niels H. angeklagt

Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. wurde wegen mehrerer Morde zu lebenslanger Haft verurteilt. Während des Verfahrens waren auch Versäumnisse der Ermittlungsbehörden bekannt geworden. Nun droht einem früheren Staatsanwalt ein Prozess.

Ex-Krankenpfleger Niels H.: Lebenslange Haft wegen Mordes
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Ex-Krankenpfleger Niels H.: Lebenslange Haft wegen Mordes


Einem früheren Oberstaatsanwalt wird vorgeworfen, die Ermittlungen gegen den inzwischen verurteilten Ex-Krankenpfleger Niels H. verschleppt zu haben. Die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Osnabrück hat Anklage gegen den Oldenburger Juristen wegen Strafvereitelung im Amt und Rechtsbeugung erhoben.

Der zeitweise für den Fall zuständige Mitarbeiter soll in den Jahren 2011 und 2012 trotz entsprechender Hinweise keine weiteren Untersuchungen veranlasst haben, teilte die Behörde mit. Er arbeitet demnach inzwischen nicht mehr als Staatsanwalt. Über die Zulassung der Anklage muss nun das Landgericht Oldenburg entscheiden.

H. war Ende Februar vom Oldenburger Landgericht wegen mehrerer Morde und Mordversuche zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Während dieses Prozesses hatte der Angeklagte, der wegen eines weiteren Mordversuchs bereits seit etlichen Jahren im Gefängnis sitzt, einem Gutachter weitaus mehr Fälle gestanden. Entsprechende Hinweise soll es allerdings bereits früher gegeben haben.

So hatten einige seiner Mitgefangenen der Osnabrücker Staatsanwaltschaft zufolge 2012 ausgesagt, H. habe ihnen gegenüber eine ganze Mordserie zugegeben. Schon seit 2011 lagen zudem Erkenntnisse vor, dass bei den Exhumierungen von fünf Patienten verdächtige Medikamentenrückstände gefunden worden waren. Trotzdem kam es nicht zu weiteren Ermittlungen. Die Anklage dazu wurde erst 2014 erhoben.

Nach Bekanntwerden der möglichen Dimensionen des Falls und der mutmaßlichen Ermittlungsverzögerungen waren im vergangenen Jahr auch Ermittlungen gegen die früher damit befassten Staatsanwälte eingeleitet worden. Derzeit untersucht eine Sonderkommission alle alten Sterbefälle an früheren Arbeitsstätten des Mannes, um die genaue Zahl seiner Opfer zu klären. Ein weiterer Prozess gegen den früheren Krankenpfleger könnte dann folgen.

Niels H. wollte die Patienten eigenen Angaben zufolge in Lebensgefahr bringen, um sie dann reanimieren und sich vor Kollegen profilieren zu können. Er nutzte das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin), das überdosiert zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und Blutdruckabfall führen kann.

kis/dpa/AFP

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