Mordserie in Niedersachsen Krankenpfleger Niels Högel soll 84 weitere Menschen umgebracht haben

Der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel sitzt in Haft, weil er in Kliniken Patienten tötete. Die Ermittlungen laufen weiter - und die Zahl der Opfer ist wohl deutlich höher als bislang angenommen.

Niels Högel (im Februar 2015)
DPA

Niels Högel (im Februar 2015)


In zwei Krankenhäusern soll der frühere Krankenpfleger Niels Högel viele Patienten getötet haben, nun hat die Polizei neue Ermittlungsergebnisse bekannt gegeben: Demnach soll er weitere 84 Menschen umgebracht haben. Das gaben die Ermittler in Oldenburg nach Abschluss ihrer fast dreijährigen Ermittlungen bekannt.

Die Zahl der Todesfälle, für die Niels Högel verantwortlich ist, liege wahrscheinlich noch um ein Vielfaches höher, weil viele Patienten eingeäschert worden sind, sagte der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, Johann Kühme. Es handle sich nur um die Fälle, bei denen die Beweislage so eindeutig sei, dass eine Anklage wahrscheinlich sei, so Kühme. Die Dimension der Verbrechen mache fassungslos.

Niels Högel musste sich vor Gericht bereits für sechs Taten auf der Delmenhorster Intensivstation verantworten und sitzt derzeit in Haft. Der heute 40-Jährige wurde nach zwei Prozessen 2008 und 2015 wegen zweifachen Mordes, drei versuchter Morde sowie einer gefährlichen Körperverletzung im Klinikum Delmenhorst zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Serienmord eines Krankenpflegers

H. hatte vor Gericht deutlich mehr Taten gestanden. Wie viele Menschen er tatsächlich auf dem Gewissen hat, versuchte die Sonderkommission zu klären. Die Ermittler werteten Hunderte Patientenakten aus und ordneten die Exhumierung von mehr als hundert verstorbenen Patienten an, um diese auf Rückstände von Medikamenten zu testen.

H. hatte eingeräumt, zwischen 2003 und 2005 etwa 90 Patienten eines von drei Medikamenten gespritzt zu haben, die Herzversagen oder einen Kreislaufkollaps auslösten. Dann belebte er die Schwerkranken wieder, um als heldenhafter Retter vor seinen Kollegen dazustehen. Das gelang jedoch nicht immer. Die Mordserie gilt als eine der größten in der deutschen Kriminalgeschichte.

"Man wusste um die Auffälligkeiten"

Die Staatsanwaltschaft ging bislang von insgesamt 37 nachgewiesenen Tötungsdelikten in Delmenhorst aus. Im Klinikum Oldenburg, wo H. vor seinem Wechsel nach Delmenhorst gearbeitet hatte, soll er mindestens sechs Patienten getötet haben.

Im Fokus der Ermittler stehen auch verantwortliche Mitarbeiter an den betroffenen Kliniken. Weil auffällig viele Patienten während der Schichten von H. starben, gab es an beiden Krankenhäusern Gerede. In Delmenhorst lagen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft konkrete Hinweise vor, dass H. Patienten tötete. Zwei frühere Oberärzte und der Stationsleiter müssen sich deshalb wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht verantworten.

Die Ermittlungen gegen Verantwortliche am Klinikum Oldenburg laufen noch. "Die Morde hätten verhindert werden können", sagte der Oldenburger Polizeipräsident Kühme. Die damals Verantwortlichen hätten aus Sicht der Ermittler schneller handeln und Unterstützung suchen sollen. "Im Klinikum Oldenburg wusste man um die Auffälligkeiten", sagte Kühme.

mxw/dpa/AFP



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