Urteil "Oldschool Society"-Mitglieder zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

Im Verfahren gegen die Mitglieder der rechtsextremen "Oldschool Society" sind die Angeklagten zu Haftstrafen von drei bis fünf Jahren verurteilt worden.

Verurteilter Markus W. im Oberlandesgerichts München
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Verurteilter Markus W. im Oberlandesgerichts München


Die vier Angeklagten im Münchner "Oldschool Society"-Prozess wurden zu Haftstrafen von drei bis fünf Jahren verurteilt.

Nach elfmonatiger Beweisaufnahme sah es das Gericht als erwiesen an, dass die Angeklagten eine terroristische Vereinigung gebildet hatten. Ihr Ziel sollen Anschläge auf Flüchtlinge gewesen sein. Sie hätten damit Ausländer aus Deutschland vertreiben wollen, erklärte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Mit dem Strafmaß blieb das Gericht etwas unter der Forderung der Bundesanwaltschaft.

Die längsten Haftstrafen bekamen die beiden Rädelsführer der Gruppe. Markus W. wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, Andreas H. zu viereinhalb Jahren Haft. Die einzige Frau des Quartetts, Denise G., erhielt eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten, der vierte Angeklagte, Olaf O., drei Jahre Haft.

Bei ihrem Vorwurf der Bildung einer terroristischen Vereinigung der vier Angeklagten aus der Neonazi-Szene stützte sich die Bundesanwaltschaft unter anderem auf Chats in Kurzmitteilungsdiensten sowie auf abgehörte Telefongespräche.

Die Verteidigung hatte für alle Angeklagten Freisprüche gefordert.

Die Äußerungen der Angeklagten, die Gewaltfantasien gegen Flüchtlinge austauschten, seien "alles andere als akzeptabel" und teils auch menschenverachtend gewesen, sagte Anwalt Hans-Dieter Stoffer in seinem Plädoyer für den 48-jährigen Olaf O. aus Bochum. Es habe sich bei der Gruppe aber nicht um eine terroristische Vereinigung gehandelt.

Die Anwälte der anderen Angeklagten zweifelten die Fähigkeit ihrer Mandanten an, einen koordinierten Anschlag auf Einrichtungen wie Asylbewerberheime zu planen und durchzuführen. Die Gruppierung sei nicht mehr als eine Ansammlung unsympathischer, radikaler, vereinsamter Menschen, die im Leben wenig zustande gebracht hätten.

Die Bundesanwaltschaft hatte Haftstrafen zwischen viereinhalb und sieben Jahren gefordert.

Die Angeklagten waren am 6. Mai 2015 festgenommen worden, weil Ermittler einen Anschlag befürchteten.

bma/wit/AFP/dpa

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