Organspendeskandal Freispruch für Göttinger Transplantationsarzt

Im Prozess um den Transplantationsskandal an der Uniklinik Göttingen ist der angeklagte Arzt freigesprochen worden. Das Landgericht sah die Vorwürfe gegen Aiman O. als nicht erwiesen an.

Arzt Aiman O. (M.) mit Verteidigern (Archiv): Freispruch in allen Punkten
DPA

Arzt Aiman O. (M.) mit Verteidigern (Archiv): Freispruch in allen Punkten


Der Göttinger Mediziner Aiman O. ist vom Vorwurf des versuchten Totschlags und der Körperverletzung mit Todesfolge freigesprochen worden. Das Landgericht Göttingen sah die Vorwürfe gegen den früheren Leiter der Transplantationsmedizin an der Uniklinik als nicht erwiesen an.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 47-Jährigen vorgeworfen, in elf Fällen medizinische Daten manipuliert zu haben, damit seine Patienten bei der Vergabe von Spenderlebern bevorzugt werden. Dadurch könnten andere schwer kranke Patienten auf der Warteliste nach hinten gerutscht und möglicherweise gestorben sein. Die Anklage wertete dies als versuchten Totschlag.

Es sei nicht erwiesen, dass falsche Angaben gegenüber der Organvergabestelle Eurotransplant andere Patienten das Leben gekostet hätten, befand hingegen das Gericht.

Der Arzt habe zwar gegen Richtlinien der Bundesärztekammer verstoßen, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther in seiner Urteilsbegründung. Es habe Manipulationen gegeben, die nach moralischen Wertvorstellungen auch zu missbilligen seien. Diese Verstöße seien zur Tatzeit aber nicht strafbar gewesen.

In drei Fällen war O. wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt, weil die Patienten nach einer Lebertransplantation verstorben waren. Die Staatsanwaltschaft vertrat die Auffassung, dass die Transplantationen nicht erforderlich waren und die Patienten nicht ausreichend über Risiken und mögliche Alternativen aufgeklärt wurden. Auch in diesem Punkt war das Gericht anderer Meinung. In allen drei Fällen sei die Transplantation eine vertretbare Behandlung gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther. Der Haftbefehl gegen O. wurde aufgehoben.

Beobachter gehen davon aus, dass die Staatsanwaltschaft, die acht Jahre Haft für den Mediziner gefordert hatte, das Urteil anfechten wird. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

hut/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.