Organspendeskandal Ermittler durchsuchen Wohnung von zweitem Arzt

Der Göttinger Organspendeskandal weitet sich aus: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen einen zweiten leitenden Mediziner der Universitätsklinik. Ermittler durchsuchten seinen Arbeitsplatz und seine Wohnung.

Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Ein zweiter Arzt wurde freigestellt
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Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Ein zweiter Arzt wurde freigestellt


Hamburg - Das gesamte Ausmaß des Skandals um Organtransplantationen in Göttingen ist noch nicht überschaubar. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun gegen einen zweiten Mediziner. "Dabei handelt es sich um einen Arzt in leitender Funktion aus dem klinischen Bereich des Universitätsklinikums Göttingen", sagte Staatsanwalt Klaus Ziehe und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ").

"Der Mediziner war mit Voruntersuchungen der Patienten befasst und könnte dabei möglicherweise Daten gefälscht haben", sagte Ziehe SPIEGEL ONLINE. Am Mittwoch seien die Wohnung und der Arbeitsplatz des Mannes durchsucht worden: "Es wurden Unterlagen und Daten im Zusammenhang mit sämtlichen Lebertransplantationen der vergangenen zwei Jahre sichergestellt."

Ein Sprecher der Universitätsmedizin Göttingen sagte, bei dem zweiten Beschuldigten handele es sich um einen Mediziner der Abteilung Gastroenterologie. Dieser sei "bis auf weiteres" freigestellt worden. Eigene Ermittlungen hätten zu dem "sich erhärtenden Verdacht" geführt, dass der Mediziner an den Machenschaften beteiligt gewesen sein oder eigenverantwortlich Manipulationen vorgenommen haben könnte. Die Uni-Klinik habe ihre Erkenntnisse umgehend der Staatsanwaltschaft mitgeteilt.

An dem niedersächsischen Krankenhaus sollen in Dutzenden Fällen Gesundheitsdaten gefälscht worden sein, um bestimmten Patienten eine schnellere Lebertransplantation zu ermöglichen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben inzwischen in 22 Fällen.

Im Zentrum der Ermittlungen steht der ehemalige Leiter der Transplantationsmedizin. Der 45-Jährige soll Akten gefälscht und so dafür gesorgt haben, dass eigene Patienten kränker erschienen, als sie waren, um bei der Verteilung von Spenderlebern bevorzugt zu werden.

Die beiden Ärzte haben laut Staatsanwaltschaft bisher keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht.

Unregelmäßigkeiten an Uni-Klinik Regensburg

Der Organspendeskandal berührt inzwischen auch das Universitätsklinikum Regensburg (UKR), wo der 45 Jahre alte Transplantationsmediziner vor seiner Anstellung in Göttingen gearbeitet hatte. Einem Bericht der "SZ" zufolge sollen jordanische Patienten verbotenerweise auf die Warteliste für europäische Transplantationsanwärter gesetzt worden sein. Außerdem soll in einem Fall eine Leber in Jordanien transplantiert worden sein.

Der Klinik zufolge gab es von 2004 bis 2008 eine Kooperation mit dem Jordan Hospital in Amman. Ziel sei gewesen, vor Ort ein Lebendspende-Lebertransplantationsprogramm aufzubauen und wissenschaftlich zu begleiten, betonte Kliniksprecherin Cordula Heinrich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Bei einer Lebendspende spendet ein Angehöriger des Patienten einen Teil seiner Leber. Dabei werden keine Organe von Verstorbenen transplantiert.

Im Rahmen der Kooperation habe es einige Unregelmäßigkeiten gegeben, räumte Heinrich im Hinblick auf den "SZ"-Bericht über die Warteliste ein. Es habe Fälle von Lebendspenden gegeben, in denen Patienten mit angehörigen Spendern in Deutschland operiert werden sollten und dadurch auf die Warteliste gekommen seien. Einige Kranke seien nicht von der Liste genommen worden, obwohl sie dann doch in Jordanien operiert worden seien.

Aber nur in einem Fall sei eine Leber aus Deutschland in Jordanien transplantiert worden. "Das hätte so nicht sein sollen", räumte Heinrich ein und betonte, der Fall sei damals intern und extern umfassend geprüft worden: "Dabei konnte kein Gesetzesverstoß des besagten Oberarztes festgestellt werden."

Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Untersuchungen damals ein. "Die Klinik hat Konsequenzen aus den Vorfällen gezogen und seitdem ausführliche Richtlinien zur Transplantationen mit Ausländern aufgestellt", erläuterte Heinrich.

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Privatier 26.07.2012
1. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Anfangsverdachts auf Tötungsdelikte!
Zitat von sysopDPADer Göttinger Organspendeskandal weitet sich aus: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen einen zweiten leitenden Mediziner der Universitätsklinik. Ermittler durchsuchten seinen Arbeitsplatz und seine Wohnung. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,846561,00.html
Wie an anderer Stelle bereits ausführlicher berichtet wird. Beispiele: Göttinger Ärzte transplantierten illegal Organe: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Tötungsdeliktes - News - FOCUS Online - Nachrichten (http://www.focus.de/gesundheit/news/goettinger-aerzte-transplantierten-illegal-organe-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-toetungsdelikt_aid_788109.html) Staatsanwalt ermittelt wegen Tötungsdelikten: Göttinger Organspende-Skandal weitet sich aus (http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/goettinger-organspende-skandal-weitet-sich-aus-1.2924589) Nicht auszuschließenderweise wegen Tötung "auf Verlangen". Auf dem Verlangen am Transplantationsgeschäft Beteiligter nach mehr und schnellerem Profit. Alle, die diese Gefahr bisher aufgeregt, kämpferisch vehement und unbelehrbar fortgesetzt als völlig unmöglich ausgeschlossen haben, kommen vielleicht bereits bald nicht mehr umhin, ihre eigene Wirklichkeitswahrnehmung neu abzugleichen und dann endlich Realitäts-kompatibel einzustellen. MfG
SpieFo 26.07.2012
2. Das ist doch alles ganz harmlos:
DER SPIEGEL*52/1987 - Einen atmenden Leichnam begraben? (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13526747.html) von 1987, "an der Schwelle zu einer neuen Ära der Transplantationsmedizin". Seither nie wieder was davon gehört.
badnavigator 26.07.2012
3. Göttingen ist ein Ausnahmefall
Ich gehe nach wie vor davon aus dass es sich bei dem Göttinger Fall um eine Ausnahme handelt und z.B. Eurotransplant einen guten und wichtigen Job macht. In der Krankenhausrealität ist es in keinster Weise so dass bestimmte Patienten bevorzugt in den Genuss eines Organs kommen, sondern aus eigener Anschauung kann ich sagen dass es hier einen Bereich gibt in dem es tatsächlich Demokratisch zugeht und in dem nach Dringlichkeit und nicht nach sozialem Status entschieden wird wer ein Organ bekommt, übrigens sehr zum Ärger einiger Teile des Pflegepersonals und auch der Ärzteschaft, die es nicht gerne sehen wenn ein Alkoholiker aus Bildungsfernem Milieu eine neue Leber bekommt. Die Arbeit an Spenderorgane zu kommen ist schwierig und auch für die Beteiligten Mediziner, die Gespräche mit stark emotionalisierten Angehörigen führen müssen, nicht einfach. Man sollte sie nicht zusätzlich erschweren in dem man das Bild einer korrupten Organmafia an die Wand malt, die es in der Realität hier nicht gibt.
arioffz 26.07.2012
4. Da bekommt die Aufforderung
nach mehr Organspender doch einen ganz anderen Geschmack(auch wenn es evtl. nur ein Paar Nestbeschmutzer sind) ist für uns das Thema abgeschlossen. Denn bei Geld hört auch der Eid des Hippokrates auf. Reich Arzt=evtl. Tod eines "armen" wird in Kauf genommen. Danke!
benutzer10 26.07.2012
5. Organ zur Belohnung?
Zitat von badnavigatorIch gehe nach wie vor davon aus dass es sich bei dem Göttinger Fall um eine Ausnahme handelt und z.B. Eurotransplant einen guten und wichtigen Job macht. In der Krankenhausrealität ist es in keinster Weise so dass bestimmte Patienten bevorzugt in den Genuss eines Organs kommen, sondern aus eigener Anschauung kann ich sagen dass es hier einen Bereich gibt in dem es tatsächlich Demokratisch zugeht und in dem nach Dringlichkeit und nicht nach sozialem Status entschieden wird wer ein Organ bekommt, übrigens sehr zum Ärger einiger Teile des Pflegepersonals und auch der Ärzteschaft, die es nicht gerne sehen wenn ein Alkoholiker aus Bildungsfernem Milieu eine neue Leber bekommt. Die Arbeit an Spenderorgane zu kommen ist schwierig und auch für die Beteiligten Mediziner, die Gespräche mit stark emotionalisierten Angehörigen führen müssen, nicht einfach. Man sollte sie nicht zusätzlich erschweren in dem man das Bild einer korrupten Organmafia an die Wand malt, die es in der Realität hier nicht gibt.
Für die Uni-Klinik Göttingen scheint das nicht zuzutreffen. Warum das denn? Ist der Alkoholiker weniger krank, oder sollte gar seine Bildung eine Rolle spielen bei der Bemessung der Bedürftigkeit? Sollte es Organe nur als "Belohnung" für ein untadeliges Vorleben geben? Wenn diese Beschreibung, vorgeblich aus dem inneren Kreis der Krankenhausmitarbeiter, zutreffen sollte, dann sehe ich noch ganz andere Skandale heraufziehen.
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