Organspendeskandal Mehr als 20 Verdachtsfälle in Regensburg

An der Uni-Klinik Regensburg besteht in 23 Fällen der Verdacht auf Manipulation von Krankendaten bei Lebertransplantationen - das teilte das bayerische Wissenschaftsministerium mit. Die Fälle stammen aus der Zeit, als der verdächtige Göttinger Oberarzt noch in Regensburg arbeitete.

Eingang am Universitätsklinikum Regensburg (Archiv): Verdacht auf Manipulation
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Eingang am Universitätsklinikum Regensburg (Archiv): Verdacht auf Manipulation


Hamburg - Der Organspendeskandal um einen Göttinger Oberarzt weitet sich aus. Am Regensburger Uni-Klinikum, wo der Mann zuvor gearbeitet hatte, besteht in 23 Fällen der Verdacht auf Manipulationen von Krankendaten bei Lebertransplantationen. Das habe das Uni-Klinikum dem bayerischen Wissenschaftsministerium mitgeteilt, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Die Verdachtsfälle liegen im Zeitraum zwischen 2004 und 2006, als der Arzt in Regensburg tätig war. Der Vorgang sei bereits der Staatsanwaltschaft übergeben worden, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Das Klinikum nehme seine Verantwortung für die schnellstmögliche Aufklärung sehr ernst und arbeite eng mit den zuständigen Behörden zusammen, teilte die Uniklinik mit. Man habe sofort nach der internen Prüfung das Ministerium, die Bundesärztekammer, Eurotransplant sowie die Staatsanwaltschaft informiert. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass sie die Ermittlungen aufgenommen hat.

Inzwischen wurden erste personelle Konsequenzen bekannt: Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie werde beurlaubt, weil er als Vorgesetzter des Hauptverdächtigen hätte Kontrolle ausüben müssen, sagte der Ärztliche Direktor der Klinik, Günter Riegger. Er gehe allerdings davon aus, dass die Krankenakten alleine von dem Hauptverdächtigen manipuliert wurden, um Patienten "mit einem höheren Krankheitsgrad einzustufen" und ihnen eine Lebertransplantation zu ermöglichen.

Der Arzt, der seit November vom Dienst suspendiert ist, hatte frühere Vorwürfe der Klinik zufolge bestritten. In Göttingen steht außer ihm auch ein weiterer leitender Mediziner im Verdacht, Patientendaten im Zusammenhang mit Organtransplantationen gefälscht zu haben.

Es sollen im großen Stil Krankenakten manipuliert worden sein, um bestimmten Patienten bevorzugt Spenderorgane zu verschaffen. Dies könnte zum Tod anderer Patienten geführt haben, die nicht zum Zuge kamen. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen die beiden Mediziner daher Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts auf Tötungsdelikte ein.

hut/dpa/AFP



insgesamt 15 Beiträge
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bert1966 02.08.2012
1. Gab es in Regensburg
etwa ein ähnliches Vergütungssystem wie in Göttingen ? Oder sollte sich am Ende gar herausstellen, dass das überhaupt nicht die eigentliche Triebfeder des offensichtlich völlig skrupellosen Transplantationschirurgen mit seinen Helfershelfern war ? Ist es nicht viel mehr so, dass man ihn damals hat gewähren lassen ? Ist es nicht so, dass die von der ärztlichen Selbstverwaltung (BÄK / DSO) völlig zu Recht angestossenen Ermittlungen damals eingestellt wurden ? Es wird sorgfältig zu klären sein, wer damals versagt hat, die ärztlichen Selbstverwaltungsorgane oder (so sieht es bisher aus) die staatlichen Ermittlungsbehörden, die damit erst den Grundstein für das weitere, absolut unmoralische Tun des "Transplantationschirurgen" gelegt hätten. Erst wenn das geklärt ist, dann dürfen Herr Spahn, Herr Lauterbach, Herr Bahr und Konsorten nach mehr staatlicher Aufsicht rufen, oder sich an die eigene Nase fassen und (dann natürlich heimlich still und leise und ohne Presseecho) eben dies, das Versagen der staatlichen Aufsicht und Justiz bereits im Jahr 2005 eingestehen.
augustdummer 02.08.2012
2. apopo Regensburg
Mir kam das Transplantationsverfaren schon sehr merkwürdig vor als trotz langer Wartelisten einem Herr von T und T binnen kürzester Zeit zwei Herzen zur Verfügung standen und transplantiert wurden.
leser_4711 02.08.2012
3. Wenn dem so wäre ...
Zitat von bert1966etwa ein ähnliches Vergütungssystem wie in Göttingen ? Oder sollte sich am Ende gar herausstellen, dass das überhaupt nicht die eigentliche Triebfeder des offensichtlich völlig skrupellosen Transplantationschirurgen mit seinen Helfershelfern war ? Ist es nicht viel mehr so, dass man ihn damals hat gewähren lassen ? Ist es nicht so, dass die von der ärztlichen Selbstverwaltung (BÄK / DSO) völlig zu Recht angestossenen Ermittlungen damals eingestellt wurden ? Es wird sorgfältig zu klären sein, wer damals versagt hat, die ärztlichen Selbstverwaltungsorgane oder (so sieht es bisher aus) die staatlichen Ermittlungsbehörden, die damit erst den Grundstein für das weitere, absolut unmoralische Tun des "Transplantationschirurgen" gelegt hätten. Erst wenn das geklärt ist, dann dürfen Herr Spahn, Herr Lauterbach, Herr Bahr und Konsorten nach mehr staatlicher Aufsicht rufen, oder sich an die eigene Nase fassen und (dann natürlich heimlich still und leise und ohne Presseecho) eben dies, das Versagen der staatlichen Aufsicht und Justiz bereits im Jahr 2005 eingestehen.
... und wir fassten heiße Eisen nur mit vielen Konjunktiven an, dann sollte man auch diese Richtung denken: Möglicherweise ist das auch nicht das singuläre Ausnahmeereignis, als das es in der Presse dargestellt wird, sondern nur die Spitze eines Eisberges. Es könnte auch sein, dass es nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Nicht in diesem Ausmaß, aber in Ansätzen gut möglich.
Christian Guenter 02.08.2012
4. schön
wäre es wenn die Verbrecher vor Gericht kommen. Keine Bewährungsstrafe und mindestens das 10-fache der Kohle an den Staat zahlen müssen welches sie mit ihren dreckigen Geschäften eingenommen haben.
laluna3 02.08.2012
5. Manipulation
Zitat von sysopDPAAn der UniKlinik Regensburg besteht in 23 Fällen der Verdacht auf Manipulation von Krankendaten bei Lebertransplantationen - das teilte das bayerische Wissenschaftsministerium mit. Die Fälle stammen aus der Zeit, als der verdächtige Göttinger Oberarzt noch in Regensburg arbeitete. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,847783,00.html
Da manipulieren Aerzte seit mindestens 8 Jahren Krankendaten und keiner hat was gemerkt? Wer das glaubt. Eine Kraehe hackt der Anderen kein Auge aus. Das sagt man jedenfalls ueber Aerzte.
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