Oscar Pistorius: "Blade Runner" unter Mordverdacht

Aus Pretoria berichtet Benjamin Dürr

DPA

Oscar Pistorius ist einer der berühmtesten Olympia-Teilnehmer, in seiner Heimat Südafrika hat man den beinamputierten Läufer gefeiert wie einen Helden. Nun wurde seine Freundin erschossen aufgefunden, Pistorius steht unter Mordverdacht. Es ist der tiefe Fall eines großen Hoffnungsträgers.

Auf den Mauern liegt Stacheldraht, dahinter reihen sich Villen und Swimmingpools aneinander. Ein Golfplatz liegt nur ein paar Fußminuten entfernt, gleich dahinter erheben sich die Hügel: Hier, im schicken Viertel "Silverwoods Country Estate", am äußersten Ostrand von Südafrikas Hauptstadt Pretoria, soll sich am frühen Donnerstag das Unglück um einen der berühmtesten Sportler der Welt ereignet haben. Die Nacht hat aus dem Ausnahmeathleten Pistorius den Mordverdächtigen Pistorius gemacht.

Der 26-Jährige soll zwischen vier und fünf Uhr am Morgen im eigenen Haus seine Freundin erschossen haben. Reeva Steenkamp, ein 30 Jahre altes südafrikanisches Model, starb noch am Tatort. Die Staatsanwaltschaft in Pretoria will am Freitag Anklage wegen Mordes gegen den Weltstar erheben.

Oscar Pistorius gilt als einer der berühmtesten Sportler der Welt: Er ist als erster beinamputierter Läufer mit High-Tech-Prothesen bei den Olympischen Spielen angetreten; bei den Paralympics im vergangenen Jahr gewann er Gold im 400 Meter-Sprint und stellte einen neuen paralympischen Rekord auf.

"Es gab bereits vorher einen Zwischenfall"

In seiner Heimat Südafrika gilt er deshalb als Held, weltweit als Hoffnung für Menschen mit Behinderung. Nach den Geschehnissen der vergangenen Nacht machen sich Unglauben und Entsetzen breit. Hat der Weltstar tatsächlich einen Mord begangen - oder ist der Tod des Models nur ein tragisches Unglück?

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Oscar Pistorius: Der tiefe Fall des Sportstars
Die Hoffnung, der Held Pistorius möge kein Mörder sein, erklärt die ersten Reaktionen: Lange hatten Medien am Donnerstag an der Version festgehalten, Pistorius habe seine Freundin für einen Einbrecher gehalten und versehentlich erschossen. Südafrika wollte nicht glauben, dass es sich auch um eine vorsätzliche Tat, um Mord, handeln könnte.

Polizei und Staatsanwaltschaft in Pretoria gehen inzwischen allerdings genau davon aus: Es gäbe keine Anzeichen für einen Einbruch oder ein Missverständnis, zitiert die südafrikanische Zeitung "Mail&Guardian" eine Polizeimitarbeiterin. Außerdem bestätigten die Ermittler: "Es gab bereits vorher einen Zwischenfall." Was genau damit gemeint ist, ist unklar.

Die Tatwaffe ist auf Pistorius zugelassen

Das südafrikanische "Volksblad" hat einen 79 Tage alten Tweet von Pistorius ausgegraben. Er schreibt: "Es geht doch nichts darüber, nach Hause zu kommen und die Waschmaschine zu hören und zu denken: Einbrecher! Voller Kampfmodus, Speisekammer auskundschaften!" Dazu gab es Berichte, Pistorius sei leidenschaftlicher Sportschütze. All das zeichnet ein anderes Bild des als Helden gefeierten Weltstars.

Steenkamp wurde nach Angaben der Polizei mit einer Waffe aus Oscar Pistorius' Besitz erschossen. Sie sei von vier Schüssen aus einer Neun-Millimeter-Pistole am Kopf und an der Hand getroffen worden, sagte Polizeisprecherin Denise Beukes . Die Tatwaffe sei auf Pistorius zugelassen.

Am Donnerstag wurde Oscar Pistorius in einem Krankenhaus untersucht, die normale Prozedur in Südafrika: Ein Bluttest wurde gemacht, um Alkohol- oder Drogenkonsum festzustellen; Kratzer oder Verletzungen auf der Haut, die auf einen Streit hindeuten könnten, wurden gesucht. Am Freitagmorgen soll Pistorius dem Haftrichter in Pretoria vorgeführt werden.

Bekannte beschreiben die Beziehung als harmonisch

Das südafrikanische Olympische Komitee veröffentlichte eine kurze Stellungnahme auf seiner Website, der Präsident spricht den Angehörigen Beileid und Anteilnahme aus.

Der Abstieg des weltweit beachteten "Blade Runners" dauerte nur Stunden: Noch heute wurden in den Straßen von Johannesburg und Pretoria Plakate abgehängt, auf denen Pistorius zu sehen war. Er warb für das Oscar-Filmprogramm eines Fernsehsenders. Der Sender und der Sportartikelhersteller Nike kündigten ihre Verträge mit Pistorius.

Reeva Steenkamp, die aus Port Elizabeth stammt, war seit November mit dem Sportler liiert. Sie war hübsch, intelligent und hatte einen Abschluss in Jura. Angehörige haben die Beziehung der beiden am Donnerstag als harmonisch beschrieben. Das Management des Models wollte sich zunächst nicht näher äußern.

Im Internet hat das Unglück eine Welle des Entsetzens und der Trauer ausgelöst, das Thema wurde weltweit zum "Trending Topic". Die Fans reagierten auf die letzten Tweets Steenkamps: Darin schrieb sie, wie sehr sie sich auf den Valentinstag freue.

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insgesamt 39 Beiträge
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1. Vier Treffer aus einer 9 MM
Krakz 14.02.2013
können kaum ein Zufall sein. Bei normaler Munition reisst ein Treffer einen Menschen sofort von den Füßen - die weiteren drei Schüsse werden dann im Einzelfeuer auf den zusammengebrochenen Körper abgegeben. Die Schüsse werden wohl auch auf Sicht abgeben worden sein, blindlings wären vier Treffer bei vier Schüssen nicht möglich. Es fällt schwer an einen Zufall oder Unfall zu glauben. Die arme Frau
2. Interessanter Fall
Websingularität 14.02.2013
Zitat von sysopOscar Pistorius ist einer der berühmtesten Olympia-Teilnehmer, in seiner Heimat Südafrika hat man den beinamputierten Läufer gefeiert wie einen Helden. Nun wurde seine Freundin erschossen aufgefunden, Pistorius steht unter Mordverdacht. Es ist der tiefe Fall eines großen Hoffnungsträgers.
Zufälle gibt's. Gestern beim Betriebsausflug kamen wir auch auf Pistorius zu sprechen. Wir hatten diskutiert, ob der Mann durch seine künstlichen Beine einen Vorteil hatte. Ich denke schon, dass dieser Mann übervorsichtig sein muss, was Einbrecher angeht. Er ist reich und behindert. Also leichte Beute. Und Südafrika ist ein hartes Pflaster mit hoher Ungerechtigkeit.
3. In der Tat
darthmax 14.02.2013
das ist nun kein Maschinengewehr mit Dauerfeuereinstellung. Warten wir also die Ermittlungen ab.
4. abwarten!
fair 14.02.2013
Man will es eigentlich nicht glauben und man sollte warten mit Schuldspruechen oder Vermutungen.Es ist auf jedenfall tragisch....
5. krakz
john_daniels 14.02.2013
...hat wahrscheinlich Recht . Auch wenn ein einzelner Schuß einen Menschen vielleicht nicht "sofort" von den Füßen reißt. ................... Die Waffe "springt" beim Schuß, man muß -anders als im Film, neu zielen und unter einer Sekunde ist ( außer es steht oder liegt jemand direkt vor dir ) kaum ein zweiter Treffer möglich..................................... Vier Treffer in Brust und Kopf als "versehentliches Einbruchszenario" sind nicht völlig unmöglich, aber es bleiben nur SEHR wenige Möglichkeiten wo dies plausibel wäre. Wir werden sehen, ob Herr P. eine solche präsentieren kann. ........................ ..................... Ich glaube es nicht.
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Fläche: 1.219.000 km²

Bevölkerung: 50,492 Mio.

Hauptstadt: Pretoria

Staats- und Regierungschef: Jacob Zuma

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