Urteil Ex-Sprinter Oscar Pistorius zu sechs Jahren Haft verurteilt

Oscar Pistorius muss für sechs Jahre ins Gefängnis. Ein Gericht hatte ihn wegen Totschlages an seiner Freundin Reeva Steenkamp schuldig gesprochen.

Oscar Pistorius
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Oscar Pistorius


Der frühere südafrikanische Spitzensportler Oscar Pistorius ist nach den tödlichen Schüssen auf seine Freundin Reeva Steenkamp zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Richterin Thokozile Masipa verkündete das Strafmaß in Pretoria. Pistorius soll umgehend nach dem Urteilsspruch ins Gefängnis gebracht werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet.

Dem Ex-Sprinter drohten mindestens 15 Jahre Haft. Richterin Masipa entschied jedoch, dass die "mildernden Umstände schwerer wiegen als die belastenden Faktoren". Damit komme ein geringeres Strafmaß als die gesetzlich vorgesehenen mindestens 15 Jahre Haft in Frage, erklärte die Richterin. Sowohl Pistorius als auch die Staatsanwaltschaft können noch ein letztes Mal in Berufung gehen.

Pistorius' Anwälte teilten mit, man werde die Entscheidung über das Strafmaß nicht anfechten. Pistorius werde zwischen "der Hälfte und zwei Dritteln der Strafe" absitzen, bevor er beantragen könne, die Reststrafe zur Bewährung aussetzen zu lassen, sagte Verteidiger Andrew Fawcett.

Pistorius hatte Steenkamp im Februar 2013 durch die geschlossene Toilettentür seines Hauses in Pretoria erschossen. Der Sportler beteuerte stets, er habe seine Verlobte für einen Einbrecher gehalten und in Panik abgedrückt.

2014 war Pistorius wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und erzielte Ende 2015 in zweiter Instanz eine Verurteilung wegen "murder dolus eventualis", was im deutschen Rechtssystem dem Totschlag entspricht. Nach Überzeugung des Gerichts hatte Pistorius durch seine Schüsse zumindest billigend in Kauf genommen, dass ein Mensch sterben könnte.

Wegen des neuerlichen Schuldspruchs musste nun auch erneut über das Strafmaß entschieden werden. Im südafrikanischen Rechtssystem wird das Strafmaß nach einem Urteil gesondert bestimmt.

"Er soll bezahlen"

Im jüngsten Verfahren, das mehrere Verhandlungstage in Anspruch nahm, traten erneut mehrere Zeugen auf. Der Vater der Getöteten, Barry Steenkamp, forderte eine harte Strafe für Pistorius. "Er soll für sein Verbrechen bezahlen."

Eine Cousine von Steenkamp sagte, sie glaube, dass Pistorius in dem Prozess gelogen habe. Sie habe "nicht das Gefühl, von ihm eine Entschuldigung bekommen zu haben".

Pistorius waren als Kind wegen eines Gendefekts beide Unterschenkel amputiert worden. Trotz seiner Behinderung gelang ihm eine Sportkarriere. Pistorius startete 2012 mit j-förmigen Karbonprothesen als erster beinamputierter Sportler der Olympia-Geschichte bei den Olympischen Spielen.

Er wurde Achter mit der Staffel über 4 x 400 Meter und kam als Einzelstarter bis ins 400-Meter-Halbfinale. Bei den Paralympics holte er Doppelgold.

sms/cnn/dpa/AFP/Reuters

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