SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. Februar 2013, 12:28 Uhr

Gerichtstermin

Mordanklage gegen Pistorius - Gedenkfeier für tote Freundin

Oscar Pistorius wird wegen vorsätzlichen Mordes an seiner Freundin angeklagt. Das hat das Magistratsgericht in Pretoria entschieden. Damit sinken die Chancen, dass der 26-Jährige gegen Kaution freikommt. Der Sportler war fassungslos: Er sei "absolut beschämt über den Tod meiner geliebten Reeva".

Pretoria - Der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius wird wegen "vorsätzlichen Mordes" angeklagt. Dies hat das Magistratsgericht in Pretoria am Mittag entschieden. Die Richter begründeten dies damit, dass sie nicht ausschließen könnten, dass die Tat geplant war, berichtete der TV-Sender Sky live von der Anhörung in Pretoria. Das beeinträchtigt deutlich die Chancen des 26-Jährigen, gegen Kaution freizukommen.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft ausgeführt, warum sie davon ausgeht, dass der 26-Jährige seine Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag vorsätzlich ermordet habe - und ausführlich dargelegt, was sich in der Tatnacht nach ihren Erkenntnissen im Haus des Sportlers abgespielt hat: Das Paar habe sich gestritten, Steenkamp sei ins Bad gelaufen und habe sich dort eingeschlossen. Der beinamputierte Pistorius habe seine Prothesen angezogen, seine Waffe genommen und sei zum Badezimmer gelaufen. Dort habe er durch die Tür geschossen.

Laut Anklage feuerte Pistorius insgesamt vier Schüsse ab. Drei von ihnen sollen seine 29-jährige Freundin getroffen und tödlich verletzt haben. Pistorius habe eine "unschuldige und unbewaffnete Frau" erschossen, sagte der Staatsanwalt. Er habe außerdem ein Mordmotiv. Das erläuterte der Anklagevertreter jedoch zunächst nicht.

Pistorius ließ in einer schriftlichen Erklärung mitteilen, er habe Steenkamp nicht töten wollen: Er sei "absolut beschämt über den Tod meiner geliebten Reeva", hieß es in dem Statement, das sein Anwalt vor Gericht verlas. "Ich weise die Vorwürfe entschieden zurück. Wir waren sehr verliebt, wir hätten nicht glücklicher sein können."

"Es war dunkel, ich hatte große Angst"

Die Pistole bewahrte Pistorius demnach unter seinem Bett auf, weil der Olympiastar Todesdrohungen erhalten habe. Er habe vermutet, ein Einbrecher sei durch das Badezimmerfenster in sein Haus eingedrungen, so Pistorius. "Es war dunkel, ich hatte große Angst. Da ich meine Prothesen nicht anhatte, fühlte ich mich sehr verwundbar." Mit einem Cricket-Schläger habe er die verschlossene Badezimmertür aufgebrochen.

Die Anwälte des behinderten Profisportlers streben eine Freilassung gegen Kaution an. Sie plädieren für eine Anklage wegen Mordes in einem minder schweren Fall, was im deutschen Recht Totschlag entspräche. Sein Mandant habe Steenkamp für einen Einbrecher gehalten, sagte Verteidiger Barry Roux: "Es gibt keinen Beweis, dass es vorsätzlich geschehen ist."

Nach der Entscheidung des Gerichts brach der Sportler in Tränen aus, bevor er für eine Verhandlungspause aus dem Gerichtssaal geführt wurde. Bilder des TV-Senders Sky aus dem Gerichtssaal zeigten, dass Pistorius' Eltern und Geschwister ebenfalls weinten.

In Port Elizabeth gedachten Freunde und Verwandte der verstorbenen Reeva Steenkamp mit einem Gottesdienst. Nur etwa 90 Menschen durften auf Einladung der Familie an der Gedenkfeier in der Kirche des Victoria Park Friedhofs teilnehmen. Nach dem Gottesdienst sollte Steenkamp, die nach einer juristischen Ausbildung vor allem als Model und Moderatorin ihr Geld verdiente, in Anwesenheit weniger Familienmitglieder beerdigt werden.

siu/dpa

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH