Beschwerde abgewiesen Gericht hält früheren SS-Mann Gröning für haftfähig

Oskar Gröning wurde wegen Beihilfe zum Mord im NS-Vernichtungslager Auschwitz zu vier Jahren Haft verurteilt. Nun soll der 96-Jährige ins Gefängnis - das Oberlandesgericht Celle hat seine Beschwerde zurückgewiesen.

Oskar Gröning (Archiv)
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Oskar Gröning (Archiv)


Der frühere SS-Mann Oskar Gröning ist nach Auffassung des Oberlandesgerichts Celle haftfähig - und muss seine Gefängnisstrafe antreten. Eine Beschwerde des 96-Jährigen wies das Gericht zurück (Az. 3 Ws 491/17).

Das Landgericht Lüneburg hatte Gröning im Juli 2015 wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt. Der frühere Freiwillige der Waffen-SS hatte eingeräumt, im NS-Vernichtungslager Auschwitz Geld aus dem Gepäck der Verschleppten gezählt und weitergeleitet zu haben.

Jahrzehntelang waren zuvor die in Auschwitz am Holocaust Beteiligten nicht zur Verantwortung gezogen worden, wenn sie nicht selbst getötet hatten. Das Lüneburger Landgericht wertete Grönings Arbeit in Auschwitz zwischen 1942 und 1944 als Beitrag zum Funktionieren der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie.

Gröning wurde damit sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust wegen Beihilfe zum Massenmord verurteilt, ohne dass er an einzelnen Mordtaten direkt beteiligt war. Das Urteil ist rechtskräftig.

Streit über Haftfähigkeit

Ein Amtsarzt halte Gröning grundsätzlich für haftfähig, hatte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover im Sommer gesagt. Voraussetzung sei aber eine entsprechende medizinische und pflegerische Betreuung im Gefängnis. Auch ein zusätzlich eingeholtes psychiatrisches Gutachten, so die Staatsanwaltschaft, habe keine gegenteiligen Anhaltspunkte ergeben.

Grönings Verteidiger hatte daraufhin angekündigt, juristisch gegen den Bescheid vorgehen zu wollen. Sein Mandant sei nicht haftfähig. Zudem habe der Amtsarzt seinen Mandanten nicht körperlich untersucht. Mit einem Vollstreckungsaufschub scheiterte scheiterte der Anwalt vor dem Landgericht Lüneburg - und nun auch vor dem OLG Celle.

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wit/dpa

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