Staatsanwaltschaft Hannover Früherer SS-Mann Gröning soll Haftstrafe antreten

Oskar Gröning wurde wegen Beihilfe zum Mord im NS-Vernichtungslager Auschwitz zu vier Jahren Haft verurteilt. Nun soll der 96-Jährige ins Gefängnis - bei medizinischer und pflegerischer Betreuung.

Oskar Gröning (Archiv)
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Oskar Gröning (Archiv)


Die Staatsanwaltschaft Hannover hält den früheren SS-Mann Oskar Gröning für haftfähig. "Den Antrag der Verteidigung auf Strafaufschub haben wir abgelehnt", sagte eine Sprecherin. Das Landgericht Lüneburg hatte Gröning im Juli 2015 wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt.

Ein Amtsarzt halte den mittlerweile 96 Jahre alten Gröning grundsätzlich für haftfähig, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Voraussetzung sei aber eine entsprechende medizinische und pflegerische Betreuung im Gefängnis. "Eine schriftliche Ladung zum Strafantritt ist noch nicht ergangen."

Grönings Verteidiger wolle juristisch gegen den Bescheid vorgehen, berichtete unter anderem die "Hannoversche Allgemeine Zeitung". Er werde beim Landgericht Lüneburg einen Antrag auf eine entsprechende gerichtliche Entscheidung stellen. Sollte das Gericht für eine Haft entscheiden, so sei noch eine Beschwerde möglich. Sein Mandant sei nicht haftfähig. Zudem habe der Amtsarzt Gröning nicht körperlich untersucht.

Der frühere Freiwillige der Waffen-SS hatte eingeräumt, im NS-Vernichtungslager Auschwitz Geld aus dem Gepäck der Verschleppten gezählt und weitergeleitet zu haben. Das Gericht wertete diese Arbeit in Auschwitz zwischen 1942 und 1944 als Beitrag zum Funktionieren der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie.

Gröning wurde damit sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust wegen Beihilfe zum Massenmord verurteilt, ohne dass er an einzelnen Mordtaten direkt beteiligt war. Das Urteil ist rechtskräftig.

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wit/dpa

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