Massenmord in der Ukraine 1941 Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 94-jährigen Ex-Wehrmachtsoldaten

Im September 1941 wurden mehr als 33.000 Juden in der Ukraine ermordet. Jahrzehnte später ermittelt die Staatsanwaltschaft in Osnabrück gegen einen 94-Jährigen. Er soll an dem Massaker beteiligt gewesen sein.

Gedenkfeier am Ort des Massakers in Babi Yar (Ukraine)
REUTERS

Gedenkfeier am Ort des Massakers in Babi Yar (Ukraine)


Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt gegen einen mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher. Gegen den heute 94 Jahre alten Mann lägen zwei Anzeigen vor, an einem Massenmord an mehr als 33.700 Juden im ukrainischen Babi Yar im September 1941 beteiligt gewesen zu sein, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer. Zuvor hatte der NDR über die Ermittlungen berichtet.

Eine der Anzeigen stammt vom Simon Wiesenthal Zentrum, das weltweit nach abgetauchten NS-Verbrechern sucht. Die Untersuchungen stünden aber noch ganz am Anfang, sagte Retemeyer. Die Staatsanwaltschaft habe den Beschuldigten noch nicht befragt. Zunächst müsse die Polizei in den Archiven anderer Ermittlungsbehörden untersuchen, was über das Massaker bekannt ist.

Der 94-Jährige hat gegenüber dem NDR bestritten, an den Taten beteiligt gewesen zu sein. Er habe lediglich Fahrzeuge repariert und Ersatzteile beschafft. Laut Staatsanwaltschaft kann auch Anklage erhoben werden, wenn der Mann nur indirekt an dem Massaker beteiligt war.

2015 wurde der einstige SS-Unterscharführer Oskar Gröning, der im KZ Auschwitz arbeitete, wegen Beihilfe zum Mord schuldig gesprochen worden, obwohl er niemanden selbst tötete. Das Urteil wurde in einer historischen Entscheidung Ende 2016 vom Bundesgerichtshof bestätigt.

koe/dpa



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