Osnabrück Frau wirft toten Vater ins Osterfeuer

Es ist eine unfassbare Geschichte: In Osnabrück hat eine 41-Jährige den Tod ihres schwer alkoholkranken Vaters verschwiegen. Die Frau verbrannte den Leichnam und kassierte monatelang seine Rente weiter. Nun wurde sie verurteilt.


Osnabrück - Als ihr alkoholkranker Vater im Juli 2009 starb, ließ eine 41-Jährige aus Osnabrück den Leichnam zunächst einfach in der Wohnung liegen. Dann versteckte sie ihn in einem Stall. Und schließlich verbrannte sie ihn in einem Osterfeuer auf ihrem Grundstück. Die 1500 Euro Rente des Mannes kassierte sie in dieser Zeit monatelang weiter. Der Betrug flog nur auf, weil ihre Schwestern misstrauisch wurden und die Polizei verständigten.

Nun hat das Landgericht Osnabrück die 41-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung, Betrug und Urkundenfälschung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Wegen Verstoßes gegen das Bestattungsgesetz muss sie zudem ein Bußgeld von 800 Euro zahlen.

Die Verurteilung wegen Körperverletzung erklärt sich folgendermaßen: Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau ihrem schwer alkoholkranken Vater täglich mehrere Flaschen Wein zur Verfügung stellte und auch nichts dagegen unternahm, dass er Schnaps trank. "Sie wollte ihn damit ruhigstellen", sagte der Vorsitzende Richter. Die schädlichen Konsequenzen für den schwer herzkranken Mann habe sie in Kauf genommen. Die Frau hatte behauptet, sie habe ihrem Vater den Wein auf ärztlichen Rat zur Verfügung gestellt.

Von dem Vorwurf der Misshandlung ihres stark pflegebedürftigen Vaters wurde die Angeklagte aber freigesprochen - ebenso wie ihr Ehemann. Der psychisch kranke 42-Jährige wurde zu einer Geldbuße von 500 Euro verurteilt. Er hatte dabei geholfen, seinen toten Schwiegervater mit einem Traktor vom Stall zum Osterfeuer zu bringen.

Der Vater war etwa anderthalb Jahre vor seinem Tod zu seiner Tochter gekommen. Später zog die Familie mit zwei kleinen Kindern auf einen ehemaligen Bauernhof im Kreis Osnabrück. Die Betreuung des Vaters sei allerdings sehr schwierig gewesen, so der Richter. Der Mann habe sich vernachlässigt, seine Wohnung sei mit Kot und Dreck verschmutzt gewesen. Pflegepersonal griff er tätlich an. Einen Betreuungsplatz bekam der Mann nicht.

Die Situation sei für die Frau zunehmend schwieriger geworden, da ihr Mann an Depressionen und Alkoholismus gelitten und sich weder um seinen Schwiegervater noch um die beiden Adoptivkinder gekümmert habe, so der Richter. Ihre Stelle als Unternehmensberaterin, wo sie bis zu 8000 Euro monatlich verdiente, habe sie aufgeben müssen, um die Pflege des Vaters bewerkstelligen zu können.

Als der Vater starb, sprach die Tochter zunächst mit niemandem darüber. Erst Wochen später weihte sie ihren Ehemann ein. Der Rentenversicherung verschwieg sie den Tod - und erschlich auf diese Weise insgesamt rund 13.500 Euro. Mit einer gefälschten Unterschrift kündigte sie zudem die Hausratversicherung des alten Mannes.

Den Tod habe sie verheimlicht, weil sie sich wegen der Verwahrlosung des Vaters geschämt habe, sagte die 41-Jährige vor Gericht. Die monatliche Rente habe sie für den Unterhalt der Familie gebraucht.

Die Todesursache sei im Nachhinein nicht mehr feststellbar gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Ein natürlicher Tod sei aber wegen des schlechten gesundheitlichen Zustands des Vaters denkbar. Für das Gericht stehe fest, dass der Vater tot sei, da auch Spürhunde an der Stelle in der Scheune angeschlagen hätten, in der die Tochter den Leichnam eigenen Angaben zufolge verscharrt hatte.

hut/dpa/dapd



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.