Ottfried-Fischer-Prozess: Gericht spricht Ex-"Bild"-Reporter frei

Niederlage für Ottfried Fischer: Das Landgericht München hat einen früheren Reporter der "Bild"-Zeitung vom Verdacht freigesprochen, den Schauspieler mittels eines Sexvideos zu einem Interview genötigt zu haben. Dafür gebe es keine Beweise, urteilte die Richterin.

Schauspieler vs. Reporter: Der Fall Ottfried Fischer Fotos
DPA

München - Der Fall sorgte monatelang für Aufsehen, nun ist in zweiter Instanz ein Urteil gefallen: Das Landgericht München hat einen früheren Reporter der "Bild"-Zeitung vom Vorwurf der Nötigung des Schauspielers Ottfried Fischer freigesprochen. Es habe keine Beweise dafür gegeben, dass der Journalist den Fernsehstar mit einem Sexvideo unter Druck gesetzt habe, um ein Exklusivinterview zu bekommen, sagte die Vorsitzende Richterin Susanne Hemmerich.

"Ich bedauere diese Entscheidung sehr. Denn auch als Kabarettist und Nichtjurist - das habe ich bereits in der ersten Instanz gesagt, die den Angeklagten mit 180 Tagessätzen bestraft hat - bin ich mir sicher: Pressefreiheit bedeutet nicht Erpresserfreiheit", teilte Fischer in einem Statement mit. Der Verteidiger des Angeklagten war dagegen zufrieden: "Das Urteil ist beeindruckend - und zwar für die Pressefreiheit."

Die Staatsanwaltschaft kündigte umgehend Revision an. Dem schloss sich auch Fischer als Nebenkläger an. "Ich bin zuversichtlich, dass die nächste Instanz zu einem guten Ergebnis gelangen wird", sagte der Schauspieler. "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen."

In der zweiten Instanz ging es erneut um den Vorwurf, der Reporter Wolf-Ulrich Sch. habe Fischer genötigt und dessen "höchstpersönlichen Lebensbereich" verletzt.

Der 30-Jährige soll im Besitz eines kompromittierenden, heimlich gedrehten Films gewesen sein, der den Schauspieler mit zwei Prostituierten in dessen Wohnung zeigt. Fischer fühlte sich erpresst. Ohne den Hinweis des Reporters auf das Video in seinem Besitz hätte er der "Bild"-Zeitung kein Interview zur Sex-Affäre gegeben, sagte er aus. Der Journalist hingegen beteuerte, er habe niemals mit der Veröffentlichung des Films gedroht.

Fischer sei mit Sicherheit das Opfer, aber nicht von Sch. - sondern der Umstände und vielleicht auch seiner Agentin, sagte die Richterin. Die Agentin hatte das Interview zwischen Fischer ("Der Bulle von Tölz") und dem Reporter vermittelt. Der Journalist hatte das Video für ein sogenanntes Info-Honorar erhalten. Vor Gericht bestritt Fischers damalige Agentin, dass der Journalist Druck ausgeübt habe - Fischer entließ sie darauf.

Das Amtsgericht München hatte Sch. in erster Instanz wegen Nötigung und "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch unbefugte Bildaufnahmen" zu einer Geldstrafe von 14.400 Euro verurteilt. Der Journalist und die Staatsanwaltschaft waren dagegen in Berufung gegangen.

ulz/hut/dpa/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS
alles zum Thema "Bild"-Zeitung
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite