Pädophiler Peter K. Kurzer Prozess für den Kinderschänder-Pfarrer

Er missbrauchte mindestens einen Ministranten - heute wurde Peter K. zu drei Jahren Haft und Unterbringung in einer Psychiatrie verurteilt. Der Regensburger Bischof Müller lehnt immer noch jede Verantwortung ab. Obwohl die Kirche den einschlägig Vorbestraften Jugendarbeit machen ließ.


Regensburg - Die Große Jugendkammer des Regensburger Landgerichts machte kurzen Prozess: Innerhalb von neun Stunden wurde die Anklage verlesen, ein knappes Geständnis abgelegt, Zeugen sowie Sachverständige gehört. Es wurden Anträge gestellt, Plädoyers und das Urteil verkündet.

Peter K. wurde zu drei Jahren Haft und der Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt verurteilt. Der 40-Jährige nahm das Urteil mit hängenden Schultern entgegen, den Blick kurz auf das kupferne Kreuz gerichtet, das im Schwurgerichtssaal an der Wand hängt.

Der Priester habe "seine Autoritätsstellung und das besondere Näheverhältnis" zum wiederholten Male ausgenutzt, als er einen zehnjährigen Ministranten missbrauchte, begründete der Vorsitzende Richter Karl Iglhaut das Urteil. Einen ironischen Seitenhieb hatte sich Iglhaut zuvor nicht verkneifen können: "Der Andrang ist so groß, wir hatten schon überlegt, auf die Papstwiese zu gehen."

Der Fall Riekofen steht für einen doppelten Skandal: Erstens, weil der einschlägig vorbestrafte Pfarrer vom Bischöflichen Ordinariat Regensburg weiterhin für Jugendarbeit eingesetzt wurde. Und zweitens, weil er nach dem ersten Missbrauchsvorfall schlichtweg falsch therapiert wurde.

Peter K. ist ein mittelgroßer, kräftiger Mann, mit schmalem Oberlippenbart, Doppelkinn und dunklem Haarkranz. Beim Verlesen der Anklage hielt er meist die Augen hinter seiner viel zu großen Brille geschlossen, er schluckte sichtbar.

Mehr als drei Jahre lang hat er einen minderjährigen Ministranten der Gemeinde Riekofen in der Oberpfalz sexuell missbraucht. Der Elfjährige musste widerwärtige Handlungen in der Wohnung des Pfarrers, im Pfarrheim und während einer Jugendfahrt in einem Hotel über sich ergehen lassen oder an Peter K. selbst ausführen.

In dem 800-Seelen-Dorf ahnte keiner etwas von dem Missbrauch. Der Ministrant schwieg, weil er sich schämte. Ebenso viele andere Ministranten, die der Kinderschänder im Talar ausfragte, wie lang ihr Penis sei, ob sie bereits Schamhaare hätten und wo ihre "erogene Zonen" seien. Oft hantierte der ungelenk wirkende Geistliche dabei mit einem Kinder-Aufklärungsbuch herum.

"Seine Störung ist so stark ausgeprägt - er ist eine Gefahr"

Der psychiatrische Gutachter, Bernd Ottermann, attestierte Peter K. heute eine homosexuelle Pädophilie und eine so schwere Störung, dass er für die Allgemeinheit hoch gefährlich sei - sollte er sich nicht therapieren lassen.

Der sexuell schwer gehemmte Mann habe seinen "abweichenden Trieb" weder unter Kontrolle noch habe die dreijährige Therapie, die Peter K. bereits absolvierte, gefruchtet. "Das ist das Unverzeihliche", sagte Ottermann.

Denn bereits nach dem ersten Missbrauchsvorfall hatte Ottermann vor Peter K. ausdrücklich gewarnt. Doch der Pfarrer landete bei einem Psychiater, der ihn nach drei Jahren Therapie weder als pädophil noch als rückfallgefährdet einstufte, vielmehr den Kindesmissbrauch als "Folge einer Regression"einstufte.

"Dieser Therapeut hat einen völlig falschen Ansatz genommen", so Ottermann. "Wenn jemand Kopfweh hat, kann ich ihn nicht wegen Fußpilz behandeln!"

Peter K. muss es als glückliche Fügung gedeutet haben, dass er ungehindert seinem Trieb nachgehen konnte. Niemand in Riekofen wusste, dass er wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft war und heimlich eine Therapie machte.

Die ahnungslose Gemeinde nahm den Kinderschänder herzlich auf.

Als Pfarrer war Peter K. äußerst beliebt. Er ging auf in der Jugendarbeit und der Betreuung der Erstkommunion-Kinder und Firmlinge. Er rekrutierte Ministranten, mit denen er Ausflüge machte, ins Kino ging und Reisen nach Hamburg oder Rom unternahm. Gern trafen sich die Jugendlichen in seinem Keller, wo er ihnen erlaubte, Alkohol zu trinken und Wasserpfeife zu rauchen.

Das Dorf war eine Art Familienersatz für Peter K., der laut und deutlich sprach, als ihm der Richter Fragen stellte. Sein karges Geständnis ließ er jedoch trotzdem von seinem Verteidiger verlesen.

K. räumte die Vorwürfe ein, bot dem Jungen, der als Nebenkläger im Prozess auftrat, und dessen Eltern 8000 Euro Schmerzensgeld an, und entschuldigte sich nach der Einlassung noch einmal persönlich - in dürren Worten, den Blick zu Boden gesenkt. Die ersten 5000 Euro ließ er der Anwältin seines Opfers bereits in einer Verhandlungspause zukommen - in bar.

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