Pädophilie-Prozess gegen R. Kelly "Er versuchte, mir Geld anzubieten"

Sie ist die Schlüsselzeugin der Staatsanwaltschaft im Verfahren gegen den US-Sänger R. Kelly: Lisa Van Allen hat ausgesagt, mit dem Musiker und einer 13-Jährigen geschlafen zu haben. Die Partei des Künstlers griff die 27-Jährige jedoch scharf an.


Chicago - Die Anklagevertreter beendeten die Beweisaufnahme am Montag mit ihrer wichtigsten Zeugin, der 27 Jahre alten Lisa Van Allen. Wie die "Chicago Tribune" berichtet, wurde es ein dramatischer Auftritt in dem an spektakulären Szenen nicht gerade armen Verfahren. R. Kelly wird vorgeworfen, eine sexuelle Beziehung zu einer 13-Jährigen gehabt zu haben.

Musiker R. Kelly: Wurde er erpresst oder zahlte er Schweigegeld?
AP

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Van Allen beschrieb der Zeitung zufolge vor Gericht, sie habe den verheirateten Sänger vor zehn Jahren kennengelernt und sei eine Beziehung zu ihm eingegangen. "Ich reiste mit ihm. Wir gingen ins Einkaufszentrum, ins Kino, solche Sachen eben", sagte die Zeugin demnach der Kammer. Auch hätte sie Geschlechtsverkehr mit ihm gehabt.

1998 habe Kelly sie dann dem angeblichen Opfer vorgestellt und ihr gesagt, das Mädchen sei 16 Jahre alt. Laut "Chicago Tribune" habe der Sänger die beiden in den Keller gebracht, eine Videokamera aufgebaut und die sexuelle Begegnung mit den Jugendlichen aufgezeichnet.

Ein Jahr später sei es erneut zu einem solchen Treffen gekommen, doch Van Allen sei dabei in Tränen ausgebrochen. "Ich wollte es nicht", sagte sie dem Gericht. "Er wurde böse", so Van Allen, und sagte, "er könne sich das jetzt nicht mehr ansehen." 2000 habe dann die letzte "Menage à trois" mit Kelly und der Minderjährigen stattgefunden. Dabei seien jedoch keine Videoaufnahmen gemacht worden.

"Ich habe ihn nicht erpresst"

Die Zeugin räumte ein, 2001 ein Wochenende mit dem Sänger verbracht und ihm dabei eine 20.000 US-Dollar teure Rolex-Uhr gestohlen zu haben. Auch habe sie eines der Videos, das die drei beim Sex zeigen soll, entwendet. Kelly sei aufgebracht gewesen und habe alles daran gesetzt, den Film zurückzubekommen. "Er versuchte, mir Geld anzubieten. Ich habe ihn aber nicht erpresst", so Van Allen. Für 20.000 Dollar habe sie die Aufnahmen schließlich verkauft.

Kellys Seite bestreitet sowohl den anrüchigen Deal als auch die übrigen Äußerungen der Zeugin. "Lisa Van Allen ist eine geständige Diebin und eine Lügnerin, die die Wahrheit nicht einmal erkennen würde, wenn sie über sie stolperte", teilte ein Sprecher des Sänger der "Chicago Tribune" mit.

Auch die Anwälte des Angeklagten suchten der Zeitung zufolge im Gerichtssaal die Glaubwürdigkeit der Zeugin zu erschüttern. Demnach fragten sie Van Allen, ob es richtig sei, dass sie angeboten habe, für 350.000 Dollar ihre Geschichte zu ändern. Van Allen bestritt, Kelly jemals erpresst zu haben.

Sie nennt ihn "Daddy"

Dennoch fällt der erste Kontakt der Frau, die in dem jahrelangen Verfahren gegen Kelly bisher geschwiegen hatte, mit den Ermittlern laut "Chicago Tribune" ausgerechnet in die unmittelbare Zeit nach der Festnahme ihres Verlobten Yul Brown.

Dem Hünen wurde Drogenbesitz vorgeworfen. Außerdem habe er illegal über über ein AK-47-Sturmgewehr verfügt, hieß es in dem Blatt. Der Höchststrafe von 22 Jahren Gefängnis sei Brown jedoch - auf wundersame Art und Weise - entgangen und mit einer Bewährungsstrafe davongekommen.

Die Aufnahmen, die im Prozess gegen den Musiker erstmals gezeigt wurden und den Missbrauch der 13-Jährigen belegen sollen, sind 27 Minuten lang. Das Gesicht des Mannes ist jedoch oft nur unscharf zu erkennen. Er gibt in monotoner Stimme Anweisungen, sie nennt ihn "Daddy".

Schon in den Eröffnungsplädoyers hatte Staatsanwältin Shauna Boliker die Geschworenen auf das Video vorbereitet. Sie müssten sich "abscheuliche und aufwühlende" Handlungen ansehen, die "Robert Kelly angeordnet habe", sagt sie an die Geschworenen gewandt.

Die Aufnahmen waren im Jahr 2002 der Zeitung "Chicago Sun-Times" zugespielt worden. Die Zeitung hatte das Video der Polizei übergeben. Seitdem verzögerte sich der Prozess immer wieder. Boliker kündigte an, sie werde das mutmaßliche Opfer nicht in den Zeugenstand rufen, nannte aber keinen Grund für diese Entscheidung.

jdl/AP



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