Pädophilie-Prozess Gericht spricht R. Kelly frei

"Danke, Jesus" - diese Worte murmelte der amerikanische R&B-Sänger R. Kelly, als ihn ein Gericht nach einem spektakulären Pädophilie-Prozess in allen Anklagepunkten für unschuldig erklärte. Seine Erleichterung ist verständlich: Ihm drohten 15 Jahre Haft.


Chicago/Hamburg - Freispruch für den amerikanischen R&B- Sänger R. Kelly in einem Kinderpornografie-Prozess: Sechs Jahre nach Anklageerhebung ist der 41-Jährige von zwölf Geschworenen eines Bezirksgerichts in Chicago in allen 14 Punkten der Anklage für unschuldig befunden worden.

Dem Musiker war vorgeworfen worden, vor etwa zehn Jahren Geschlechtsverkehr mit einer damals 13-Jährigen gehabt und dies auf Video aufgezeichnet zu haben. Zentrales Beweisstück war das Tape, das ihn mit dem Mädchen zeigen sollte. Kelly und das vermeintliche Opfer bestritten in dem Prozess allerdings, die darin gezeigten Personen zu sein.

"R. Kelly hat seinen guten Namen zurück", sagte der Verteidiger des Sängers, Sam Adam, nach Bekanntgabe des Urteils. Nach jedem "Nicht Schuldig"-Urteil im Gerichtssaal habe Kelly "Danke, Jesus", geflüstert, berichtete der Anwalt.

Als Kelly das Gebäude verließ, jubelten Dutzende Fans dem Grammy-Gewinner zu - er nahm das kommentarlos hin. Kelly, der nicht selbst in dem Prozess ausgesagt hatte, hätten im Falle einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Gefängnis gedroht. Die Geschworenen hatten sich bereits am Donnerstagabend zu Beratungen zurückgezogen. Am Freitag brauchten sie nach Angaben der "Chicago Tribune" ganze siebeneinhalb Stunden, bis sie zu ihrem Ergebnis kamen.

"Süße, nette, junge Frau"

Die 27 Minuten lange Videoaufzeichnung war 2002 einem Reporter der "Chicago Sun-Times" anonym zugespielt worden. Nach Angaben der Anklage ist darauf ein Farbiger zu sehen, der mit einem jungen Mädchen verkehrt. Mehr als zwölf Zeugen hätten das Opfer identifiziert. Auch gebe es keinen Zweifel, dass es sich bei dem Mann um den berühmten Sänger handele und er die Aufzeichnung selbst angefertigt habe, hieß es.

Die Verteidigung machte hingegen geltend, dass das angebliche Opfer selbst bestreitet, die gezeigte Person zu sein. Sie sei eine "süße, nette, junge Frau", die sich sicher nicht gegen Geld zum Sex bereiterklärt hätte, wie das im Film gezeigte Mädchen. Außerdem habe ihr Mandant einen markanten Leberfleck auf dem Rücken, der in dem Videofilm ebenfalls nicht zu sehen sei.

Um das Verfahren hatte es ein jahrelanges juristisches Tauziehen gegeben. Die Verteidigung hatte befürchtet, dass wegen der Schlagzeilen vor dem Prozess keine unparteiischen Juroren gefunden werden könnten. Erst vor einem Monat hatte der Prozess mit der Auswahl der Geschworenen begonnen.

R. Kelly hat weltweit mehr als 23 Millionen Alben verkauft. Zu den Hits des Grammy-Gewinners gehören "I Believe I Can Fly" und "She's Got That Vibe".

tdo/dpa



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