Vorwurf der Gotteslästerung Todesurteil gegen Christin in Pakistan aufgehoben

Neun Jahre lang saß Asia Bibi in einem pakistanischen Gefängnis: Weil sie angeblich den Propheten Mohammed beleidigt hatte, sollte die Christin hingerichtet werden. Nun kommt sie überraschend in Freiheit.

Asia Bibi
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Asia Bibi


Das oberste Gericht in Pakistan hat das Todesurteil gegen eine Christin wegen Gotteslästerung aufgehoben. Die Richter sprachen Asia Bibi, deren Fall international für Aufsehen gesorgt hatte, frei. "Sie wurde von allen Vorwürfen freigesprochen", sagte der Richter Saqib Nisar. Sie werde sofort aus der Haft entlassen.

Das Gericht befand, dass die Vorwürfe gegen die Frau juristisch schwach begründet seien und es keinen Grund gebe, sie zu bestrafen. Die Entscheidung löste Proteste von Islamisten in mehreren Städten des Landes aus. Die Behörden hatten schon vor dem Urteil die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Gericht verstärkt.

Bibi war 2010 in der Provinz Punjab wegen Beleidigung des Propheten Mohammed zum Tode verurteilt worden - als erste Frau in Pakistan. Muslimische Frauen aus ihrem Dorf hatten der mehrfachen Mutter vorgeworfen, sich im Streit beleidigend über Mohammed geäußert zu haben (mehr über den Fall lesen Sie hier).

"Dieses Urteil ist ein Meilenstein"

Die Entscheidung löste international Empörung aus, Bibi stritt die Vorwürfe stets ab und rief 2014 den Obersten Gerichtshof an. Sie machte Unzulänglichkeiten im Prozess geltend, darunter gefälschte Beweise und einen zu großen Zeitabstand zwischen der angeblichen Gotteslästerung und dem Beginn der Ermittlungen durch die Polizei.

Das jetzige Urteil wird in Pakistan sehr unterschiedlich bewertet. "Die Entscheidung ist ein mutiger Versuch des Staates, den Islamisten die Stirn zu bieten", sagte der Analyst Irfan Shehzad. "Dieses Urteil ist ein Meilenstein in Pakistans Kampf um Rechte und ein Hinweis, dass der Staat sich durchsetzen will."

Der Paragraf 295-C fordert bei Beleidigung des Propheten Mohammed zwangsläufig die Todesstrafe. Kritikern zufolge wird das Gesetz unter anderem missbraucht, um persönliche Feinde anzuschwärzen oder aus dem Weg zu schaffen. Versuche, das Gesetz zu reformieren, scheiterten in der Vergangenheit stets am Widerstand konservativer Hardliner.

Unterstützung vom Papst und der Uno

Zwei Politiker, die sich für Bibi eingesetzt hatten, kamen gewaltsam zu Tode: Im Januar 2011 wurde Salman Taseer, Gouverneur der Provinz Punjab, von seinem eigenen Leibwächter erschossen. Zwei Monate später brachten Unbekannte den Minderheitenminister Shahbaz Bhatti um.

In dem Fall hatten sich unter anderem die Uno und der Papst für die Frau eingesetzt. In Pakistan forderten allerdings auch viele strenggläubige Muslime lautstark ihre Hinrichtung. Etwa 97 Prozent der 180 Millionen Pakistaner sind Muslime. Fälle angeblicher Gotteslästerung lösen in dem Land häufig große öffentliche Empörung, Gewalttaten und sogar Lynchjustiz aus.

mxw/Reuters/AFP/dpa



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