Lynchmord in Pakistan Todesurteil im Fall Mashal Khan

Mashal Khan war angeblich ein Gotteslästerer. Deshalb wurde der Student an einer Universität in Pakistan von einem Mob getötet. Jetzt ist das Urteil im Prozess gefallen.

Demonstration für Mashal Khan in Karatschi
REUTERS

Demonstration für Mashal Khan in Karatschi


Rund zehn Monate nach dem Lynchmord an dem pakistanischen Studenten Mashal Khan hat ein Gericht laut Medienberichten einen von insgesamt 61 Angeklagten zum Tode verurteilt. Fünf Menschen müssten für 25 Jahre ins Gefängnis, 25 Angeklagte hätten vierjährige Haftstrafen erhalten und 26 seien freigelassen worden, berichtete der pakistanische Sender Geo TV.

Im April 2017 hatten Dutzende Männer Mashal Khan auf dem Campus der Universität von Mardan in Nordwestpakistan angegriffen, verprügelt, auf ihn geschossen und anschließend über einen Balkon im zweiten Stock des Gebäudes geworfen. Videos der Tat kursierten später im Internet, die pakistanischen Medien veröffentlichten sie, später dienten sie der Polizei als Beweismittel.

Vorwürfe der Blasphemie wohl nur erfunden

Die Täter hätten gehört, dass Khan, 23 Jahre alt, ein Ahmadi sei - jemand, den die pakistanische Verfassung offiziell zu einem Nichtmuslim erklärt. Und das, obwohl die Ahmadiyya, eine religiöse Minderheit im Land, sich selbst als islamische Gemeinschaft versteht. Anderen sei zu Ohren gekommen, dass Khan den Propheten beleidigt habe.

Dies stellte sich später als falsch heraus. Medienberichten zufolge sagten die Ermittler, dass ein Student sowie ein Mitarbeiter der Universität die Vorwürfe nur erfunden hätten, um Khan loszuwerden. Er soll Kritik am Management seiner Universität geübt haben. Auf den Videos sollen inmitten des Mobs tatsächlich mehrere Mitarbeiter der Verwaltung zu sehen sein.

Aus Sicherheitsgründen: Verhandlung im Gefängnis abgehalten

Das Todesurteil in dem Fall erging gegen den Angeklagten, der auf Khan geschossen hatte. Die Regierung der Provinz, in der die Universität liegt, will gegen die Freilassungen Berufung einlegen.

Aus Sicherheitsgründen hatte der Richter die Verhandlung in der nordpakistanischen Stadt Haripur im Gefängnis abgehalten. Hunderte Polizisten sicherten das Gelände. Gotteslästerung ist im muslimischen Pakistan mit seinen vielen islamistischen Gruppen ein Thema, das immer wieder Massenversammlungen und Akte von Selbstjustiz auslöst.

Der Mord an dem Journalismus-Studenten hatte landesweit, aber auch international eine Debatte über den Missbrauch der strengen Blasphemiegesetze in Pakistan ausgelöst. Das Gesetz ist Teil des pakistanischen Strafgesetzbuches und sieht hohe Strafen für die Beleidigung des Propheten und die Schändung des Koran vor, unter Umständen sogar die Todesstrafe. Das Gesetz stammt aus britischer Kolonialzeit und wurde vom islamistischen Militärdiktator Zia ul-Haq in den Achtzigerjahren erneut zur Anwendung gebracht.

dpa/vik



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.