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Panzer-Bergung bei Kiel: "Ich halte den Bundeswehr-Einsatz für klar rechtswidrig"

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DPA

Die Bundeswehr hat einen Weltkriegspanzer aus dem Keller eines Kieler Sammlers geborgen. Der Fall beschäftigte sogar das Verteidigungsministerium. Jetzt gibt es Ärger.

Nach der Bergung eines Weltkriegspanzers in Heikendorf (Kieler Bucht) hat der Anwalt des Panzer-Besitzers Vorwürfe gegen die Behörden erhoben. 20 Soldaten hatten drei Tage gebraucht, um den 40 Tonnen schweren Koloss (Modell "Panther) und weitere Waffen zu beschlagnahmen. "Ich halte den Bundeswehr-Einsatz für klar rechtswidrig", sagte Rechtsanwalt Peter Gramsch SPIEGEL ONLINE.

Anlass der Aktion war ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Kiel. Sie wirft dem 78-jährigen Sammler vor, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben. Neben dem Panzer konfiszierten die Behörden ein Flakgeschütz, einen Torpedo und zwei Handfeuerwaffen G3 und MG42.

Die Logistik-Profis von der Bundeswehr

Anwalt Gramsch sagte, Soldaten der Bundeswehr seien für die Verteidigung und den Katastropheneinsatz vorgesehen. "Sie sind nicht dazu berufen, als Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft zu fungieren." Es gebe private Bergefirmen.

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Kellerfund in Heikendorf: Weltkriegspanzer und Flakgeschütz
Ein Sprecher der Bundeswehr sagte hingegen. "Es gab keine privaten Unternehmen, die in der Lage gewesen wären, den Panzer aus der Tiefgarage zu ziehen." Eine Einschätzung der zuständigen Industrie- und Handelskammer liege vor.

Nach Angaben des Sprechers kam die Erlaubnis für den Bundeswehr-Einsatz aus dem Bundesverteidigungsministerium. "Ein Staatssekretär hat darüber Anfang der Woche entschieden." Grundlage sei ein "Amtshilfeersuchen" der örtlichen Polizei gewesen, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft in Heikendorf im Einsatz war.

Anwalt Gramsch hält den Abtransport für übertrieben. "Man hätte den Raum versiegeln können, bis die Vorwürfe geklärt sind." Sein Mandant besitze keine Kriegswaffen, die beschlagnahmten Gegenstände seien "entmilitarisiert". Im Jahr 2005 schloss sich der Landrat in Plön dieser Bewertung an.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft erklärte, ein Sachverständiger sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich sehr wohl um Kriegswaffen handele. Und eine Erlaubnis zum Besitz von Kriegswaffen könne nur das Bundeswirtschaftsministerium erteilen. "Der Staatsanwaltschaft liegen keinen Genehmigungen vor, die zum Besitz der beschlagnahmten Objekte berechtigen."

Die Ermittler waren auf die Spur des Verdächtigen gelangt, weil er kurzzeitig Beschuldigter war in einem Verfahren um verschollene Nazi-Kunst. Anwalt Gramsch betonte, sein Mandant sei "kein Nazi".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Anwälte...
Bueckstueck 03.07.2015
Die Bundeswehr ist doch bestens ausgerüstet um schweres Gerät wie dieses zu bergen. Wahrscheinlich war das sogar billiger als wenn man eine Privatfirma angeheuert hätte - der Herr Anwalt und sei Mandat hätten dann wohl gegen die Kostenübernahme geklagt weils zu teuer war... Und wenn der Herr keine Genehmigung des BWM hatte diese Waffensysteme (egal ob entmilitarisiert oder nicht) zu besitzen, dann hatte er kein Recht dazu. Was gibts da zu deuteln?
2. Was für ein Schwachsinn !
iffelsine 03.07.2015
Na klar und der Torpedo war randvoll mit hochexplosivem Sand... Und für das Flakgeschütz gibt es bestimmt noch massig funktionstüchtige Munition in Heikendorf. Das hätte ersteinmal alles so bleiben können, wo es war. Der Plöner Landrat hätte ja ansonsten an das Bundeswirtschaftsministerium verweisen können. Von der Leyen wollte vielleicht nur zeigen, dass die Bundeswehr noch 2 Bergungspanzer hat, die fahren...
3. Alter Schwede ....
eurogegner 03.07.2015
Ne acht acht und ein Panther. Ob der wusste das der Krieg schon vorbei ist ? Allerdings wenn das Zeugs nicht mehr einsatzbereit war mein Gott was solls. Die Briten kurven mit Tigern zum Spass durchs Gelände. Da kräht auch kein Hahn danach. Nur die Deutschen stellen sich wieder an.
4. Die Staatsanwaltschaft
saumhuhn 03.07.2015
agiert tatsächlich sonderbar. Es wäre doch zunächst geboten gewesen, vor Ort zu prüfen, ob diese Gegenstände tatsächlich einsatztauglich sind. Nach den Aussagen des Rechtsanwaltes des Angeklagten sind sie es nicht. Angenommen, es wäre so, warum dann so ein Aufwand? Kriegt man dafür 'ne Zulage, wenn man vermeintliche Nazis ins Visier nimmt?
5. mich wundert, dass bei dem maroden Bestand...
crimesceneunit 03.07.2015
der Bundeswehr, der Bergepanzer durchgehalten hat und nicht mit Motorschaden oder gebrochener Kette, etc. liegen geblieben ist. Im übrigen schließe ich mich der Meinung des Anwaltes an und frage mich, was die Bundeswehr dort überhaupt zu suchen hatte? Inneneinsätze sind wohl eher nicht erlaubt oder Frau von der Leyen???
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