Missbrauchsvorwürfe in USA Ex-Vatikandiplomat fordert Rücktritt des Papstes

Der ehemalige Vatikandiplomat Carlo Maria Vigano behauptet, dass der Papst seit Jahren über den Missbrauch von US-Priesteranwärtern Bescheid wusste - und den Täter, einen Kardinal, rasch rehabilitierte.

Papst Franziskus
REUTERS

Papst Franziskus


Erzbischof Carlo Maria Vigano hat schwere Vorwürfe gegen Papst Franziskus erhoben. In einem Schreiben wirft er dem Kirchenoberhaupt vor, Missbrauchsvorwürfe gegen US-Kardinal Theodore McCarrick ignoriert zu haben.

McCarrick - eines der bekanntesten Gesichter der katholischen Kirche in den USA - soll in den Achtzigerjahren junge Männer in einem Priesterseminar in der Diözese Newark missbraucht haben. Nach immer neuen Enthüllungen entschied Papst Franziskus Ende Juli, McCarricks Rücktrittsgesuch anzunehmen. Außerdem ordnete er Hausarrest an.

Vigano war in den USA von 2011 bis 2016 Botschafter das Vatikan. In seinem Schreiben wirft er Franziskus vor, schon seit 2013 von den Vorwürfen gegen McCarrick gewusst zu haben. Vigano habe dem Papst im Juni 2013 gesagt, dass es ein Dossier über McCarrick gebe. Es gebe Vorwürfe wegen "stark unmoralischen Verhaltens gegenüber Seminaristen und Priestern".

Auch dass McCarrick bereits unter Hausarrest stehen soll, will Vigo dem Papst gesagt haben. Den Hausarrest habe sein Vorgänger angeordnet, Papst Benedikt XVI. Dennoch habe Franziskus die Strafe kurz nach dem Gespräch aufgehoben. Für diese Behauptung und die anderen Anschuldigungen lieferte Vigano keine Beweise.

Kardinal Theodore Edgar McCarrick (Archiv)
AP

Kardinal Theodore Edgar McCarrick (Archiv)

Der 77-jährige, mittlerweile im Ruhestand befindliche Vigano erhob die Beschuldigungen in einem elfseitigen Schreiben, das mehrere konservative katholische Publikationen in den USA veröffentlichten. Auch in einer rechten italienischen Zeitung erschien der Brief.

Der Text enthält lange Tiraden gegen Homosexuelle und Liberale in der katholischen Kirche. Der "Washington Post" bestätigte Vigano, dass er den Text geschrieben habe. Mehr sagte er nicht.

Vigano geht darin so weit, die Abdankung des Papstes zu fordern. Er solle mit gutem Beispiel voranschreiten und mit all jenen Kardinälen und Bischöfen zurücktreten, die McCarricks Übergriffe gedeckt hätten.

jpz/AFP/AP

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.