Kritischer Uno-Bericht Papst verteidigt Umgang der Kirche mit Missbrauchsskandal

"Kein anderer hat mehr getan": Papst Franziskus hat die Kritik am Verhalten der katholischen Kirche im Missbrauchsskandal zurückgewiesen. Die Kirche habe Transparenz und Verantwortung gezeigt.

Papst Franziskus im Vatikan: Lob für den Vorgänger
AP

Papst Franziskus im Vatikan: Lob für den Vorgänger


Rom - Die sexuellen Übergriffe auf Kinder seien "furchtbar, weil sie sehr tiefe Wunden hinterlassen", sagte Papst Franziskus der italienischen Zeitung "Corriere della Sera". Eine Verfehlung der katholischen Kirche bei der Aufklärung des Missbrauchsskandals sieht er aber nicht. Im Gegenteil: "Die katholische Kirche ist vielleicht die einzige öffentliche Institution, die sich mit Transparenz und Verantwortung bewegt hat. Kein anderer hat mehr getan. Und doch ist die Kirche die einzige, die angegriffen wird", sagte er.

Die Statistiken zeigten, dass sich "die große Mehrheit" der Missbrauchsfälle in der Familie und der Nachbarschaft ereigne, sagte Franziskus. Er lobte seinen Vorgänger Benedikt XVI, der sehr mutig gewesen sei und habe einen guten Weg eingeschlagen habe.

Tausende Missbrauchsfälle in zahlreichen Ländern hatten die katholische Kirche in den vergangenen Jahren in eine Krise gestürzt. Im Februar warfen die Vereinten Nationen dem Vatikan vor, nicht mit aller Kraft gegen den Missbrauch von Kindern durch Geistliche vorzugehen. Der Ruf der katholischen Kirche sei systematisch über das Wohl von Kindern gestellt worden, hieß es in einem Bericht des Uno-Komitees für die Rechte des Kindes. Der Vatikan habe eine Politik gepflegt, die es Priestern erlaubt habe, sich an Kindern zu vergehen.

Die Uno-Kinderrechtsexperten forderten den Vatikan auf, Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche öffentlich zu untersuchen. Überführte Täter müssten umgehend der Justiz übergeben werden. Zudem verlangen die Experten verbindliche Regeln im Kirchenrecht, die Kinder künftig besser vor Missbrauch in katholischen Institutionen schützen sollen.

Der Vatikan hatte die Vorwürfe umgehend zurückgewiesen und und dem Uno-Komitee in einer Stellungnahme einen "versuchten Eingriff" in seine Lehre vorgeworfen.

vks/dpa/AFP



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