Augenzeugenbericht aus Paris "Es war ein Blutbad"

Julien Pearce freute sich auf das Konzert im Pariser Klub Bataclan. Doch plötzlich wurde die Konzerthalle zum Epizentrum des Terrorangriffs auf die Stadt. "Es war eine wahnsinnige Panik", sagt der Journalist.

Einsatz am Pariser Klub Bataclan: "Sie waren ruhig und zielten einfach"
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Einsatz am Pariser Klub Bataclan: "Sie waren ruhig und zielten einfach"


Julien Pearce ist Reporter beim französischsprachigen Sender Europa 1. Für Freitagabend hatte er sich Konzerttickets besorgt, eine Band aus Kalifornien sollte im Pariser Klub Bataclan auftreten. Pearce freute sich darauf, mit ein paar Freuden die Woche hinter sich zu lassen. Doch es wurde ein Albtraum - und der Konzertsaal zum Epizentrum der Terrorangriffe von Paris.

Er selbst habe weit vorne gestanden, ein paar Meter von der Bühne entfernt, sagte Pearce in einem Interview mit dem US-Sender CNN. Die Stimmung sei ausgelassen gewesen, doch plötzlich seien Geräusche zu hören gewesen, die an eine Explosion erinnerten. "Wir schauten uns um und sahen Angreifer", sagt Pearce. "Sie feuerten wahllos in die Menge. Alle fingen an zu schreien, zu weinen."

Er, seine Freunde und so ziemlich alle Konzertbesucher hätten sich umgehend auf den Boden gelegt und Schutz gesucht: "Es war eine wahnsinnige Panik." Zwei Angreifer habe er recht klar sehen können, sagt Pearce. "Sie hatten Kalaschnikows, trugen schwarze Kleidung, aber keine Masken." Geschrien habe keiner der Männer. "Sie haben nichts gerufen, nicht 'Allahu Akbar' oder sonst irgendetwas. Sie waren ruhig und zielten einfach."

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Fotostrecke: Explosionen und Schüsse in Paris - viele Tote
Etwa zehn Minuten habe die Attacke gedauert, sagt der Reporter. Einem der Angreifer habe er für einige Sekunden ins Gesicht sehen können. "Er war sehr jung. 20, vielleicht 25 Jahre alt. Er sah eigentlich ganz normal aus. Nur hatte er eben eine Kalaschnikow und zielte auf die Leute am Boden. Er exekutierte sie regelrecht. Es war ein Blutbad."

Auch die anderen Angreifer seien "entschlossen" gewesen, sagt Pearce. Aber die beiden hätten nachladen müssen. Dreimal, vielleicht viermal. Er habe eine dieser Pausen zur Flucht genutzt. Die Bühne sei nur wenige Meter entfernt gewesen, er sei nach oben geklettert, habe einen Notausgang genommen.

Auch die Situation vor dem Ausgang sei schrecklich gewesen, sagt Pearce. Schwerverletzte, Leichen. "Ich habe sicher 20 Tote gesehen." Auf dem Weg nach draußen habe er eine junge Frau gesehen, die in einer Ecke gelegen habe. "Sie hatte offensichtlich mehrere Schüsse in ihr Bein abbekommen, war blutüberströmt." Er habe sie gepackt, auf die Straße geschleppt. Ob sie noch lebe, wisse er nicht, sagt Pearce. "Ich habe sie in ein Taxi gesetzt und dem Fahrer gesagt, er solle sie sofort ins Krankenhaus fahren."

Amateurvideo: Anschlag auf das Bataclan

Le Monde

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Video: Mehr als 140 Todesopfer befürchtet

Terrorziele in Paris
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Fotos: AP, AFP, dpa
1
Stade de France
2
Rue Alibert
3
Rue de la Fontaine au Roi
4
Konzertsaal Bataclan
5
Boulevard Voltaire
6
Rue de Charonne

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