Während des Parkland-Massakers Bewaffneter Hilfssheriff harrte vor Schulgebäude aus

"Das macht mich krank": Während des Massakers in Parkland war ein bewaffneter Hilfssheriff auf dem Schulgelände. Laut seinem Chef zeigt ein Video, wie der Mann Stellung bezieht - aber nicht eingreift.

Polizeiwagen vor der Marjory Stoneman Douglas High School (Archivbild)
CRISTOBAL HERRERA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Polizeiwagen vor der Marjory Stoneman Douglas High School (Archivbild)


In Florida ist ein Hilfssheriff vom Dienst suspendiert worden, der beim Attentat in der Marjory Stoneman Douglas High School auf dem Gelände gewesen war, das Gebäude aber nicht betreten hatte. In der Schule in Parkland hatte am vergangenen Mittwoch ein 19 Jahre alter Ex-Schüler 17 Menschen erschossen.

Zum Tatzeitpunkt war nach Angaben des Bezirkssheriffs Scott Israel ein bewaffneter, uniformierter Mitarbeiter seines Büros auf dem Schulgelände im Einsatz. Er habe sich zur Suspendierung des Mannes entschieden, nachdem er Videoaufnahmen des Vorfalls gesehen habe, sagte Israel bei einer Pressekonferenz in Fort Lauderdale. Darauf sei zu sehen, wie der Mann vor dem Gebäude Stellung beziehe, in dem Schüsse fielen. "Er ist nicht reingegangen", sagte Israel.

Stattdessen habe der Hilfssheriff rund vier Minuten vor dem Gebäude ausgeharrt. Die Videoaufnahmen zeigen laut Israel, dass der Mann "nichts tut". Er sei erschüttert, "das macht mich krank".

Der Hilfssheriff reichte nach der Suspendierung seine Kündigung ein. Laut "Washington Post" handelt es sich um einen 54-Jährigen, der seit 2009 als sogenannter resource officer für die Schule gearbeitet hatte. "School resource officer" haben die gleichen Befugnisse wie reguläre Polizisten, sie werden in der Regel von einer Polizeibehörde an eine oder mehrere Schulen beordert. Dort sollen sie die Sicherheit erhöhen und in der Verbrechensprävention arbeiten, dazu gehören auch Vorträge und Mentoring-Aufgaben.

SPIEGEL ONLINE (Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL); Foto: Google Earth)

Der Bezirkssheriff kündigte an, die Videoaufnahmen nicht veröffentlichen zu wollen. Er machte keine Angaben darüber, ob dem Mann nun ein Verfahren drohe. Der 54-Jährige habe sich nicht an die internen Standards gehalten. Laut Israel hätte der Hilfssheriff Folgendes tun müssen: "Reingehen, den Schützen konfrontieren, den Schützen töten."

Bereits am Mittwoch hatte die "New York Times" berichtet, dass ein Polizist den nun suspendierten Mann zum Zeitpunkt des Massakers auf einem Parkplatz auf dem Schulgelände gesehen habe. Er habe dabei hinter einer Betonsäule Schutz gesucht.

Video: Trump nach Parkland-Massaker - Lehrer sollen bewaffnet werden

Israels Pressekonferenz kommt nur kurz nach den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump: Er bekräftigte am Donnerstag, Lehrer mit Waffen ausstatten zu wollen. Speziell trainierte Lehrer könnten für das verdeckte Tragen einer Waffe einen Bonus erhalten, schlug Trump vor. Er halte zwischen zehn und 40 Prozent der Lehrer dafür qualifiziert, bewaffnet zu werden.

aar/AP

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